Manuskripte

SWR3 Gedanken

16SEP2020
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Kailash ist 5 Jahre alt. Das einzige Spielzeug, das er kennt, ist ein Hammer. Damit zerkleinert er Steine. Je größer Kailash wird, desto größer werden auch der Hammer und die Steine. Steine aus einem Steinbruch in Indien, die später verarbeitet in Grabsteinen, Pflasteranlagen oder Einbauküchen auch in Deutschland verkauft werden. Hergestellt von Kindern wie Kailash. Beim Zermahlen der Steine entsteht Steinstaub, der sich in der fünf Jahre alten Lunge festsetzt. Vom ohrenbetäubenden Lärm im Steinbruch ist er inzwischen fast taub.

Als mir Benjamin Pütter, ein Experte für Kinderarbeit weltweit, diese und viele weitere Geschichten von Kindern in Steinbrüchen, aber auch auf Kakao-, Tee- oder Kaffeeplantagen erzählt, da fehlen mir die Worte. 88 Mal war er schon in Indien – hat sein ganzes Leben dem Kampf gegen Kinderarbeit verschrieben und sagt als gläubiger Christ und Theologe: „Es ist einfach Gottesdienst Kinder aus Sklaverei zu befreien und ihnen Lebensperspektiven zu ermöglichen. Es geht darum Menschenwürde durchzusetzen und das ist praktizierter Gottesdienst.“

So sehe ich das auch. Und so sehen das auch 120 Bischöfe und Kardinäle aus 31 Ländern weltweit. Dass sich grundsätzlich was ändern muss! Durch ein so genanntes Lieferkettengesetz, das im Koalitionsvertrag vereinbart wurde und aktuell beraten wird.

Als Konsument in Deutschland will ich wissen, dass meine Schokolade, meine Kleider und meine Küchenplatte ohne Kinderarbeit hergestellt wurden. Ich will keine moderne Sklaverei unterstützen. Und deshalb braucht es jetzt auch nicht nur eine Empfehlung, sondern ein verpflichtendes Gesetz, das Kinderarbeit bis zum Beginn der Lieferkette in Indien, Bangladesch oder der Subsahara ausschließt.

Ich finde: Die Bundesregierung muss nun liefern und dieses Gesetz auf die Kette bekommen – damit Kinder wie Kailash wieder eine Kindheit haben.

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