Manuskripte

SWR1 3vor8

12JUL2020
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Auch ich wurde mit dem Lockdown ins Homeoffice geschickt. Das hatte seine guten und bequemen Seiten, und hat mich doch an meine Grenzen gebracht. Die plötzliche Umstellung auf digital ist mir schwergefallen. Ich habe alles zu kompliziert, die Aufgabe allein daheim zu groß gefunden und bin ärgerlich auf mich selbst geworden. Es hat mich deprimiert. Ich fürchte, vielen anderen ist es genauso gegangen. Und ich glaube, die Welt nach dieser Krise wird eine andere sein.

Heute wird in den evangelischen Gottesdiensten von einer Welt danach erzählt (Lk 5,1-11). Gezeigt wird die Welt des Simon. Es könnte auch meine oder vielleicht auch Ihre sein.

Simon ist Fischer am See Genezareth. Eine Krise holt ihn ein: die Fische bleiben aus, die Netze leer. Obwohl er nichts falsch macht, ist jede Mühe vergeblich. Wer nichts fängt, hat auch nichts zu essen – ein einfaches Gesetz.

Da sagt Jesus zu ihm und seiner Bootsbesatzung: Fahrt hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Niemand hat Jesus um Rat gefragt. Als hätte Simon nicht schon alles versucht! Der setzt einen müden Einspruch dagegen, fügt aber auch hinzu: Auf dein Wort hin fahren wir noch mal raus. Weil du es sagst, machen wir noch einen Versuch. Auf dein Wort hin. Noch einmal Vertrauen fassen.

Es wird erzählt, dass Simon den größten Fang seines Lebens macht. Er ist so groß, dass er Hilfe braucht, ihn an Land zu bringen. Problem gelöst, sollte man meinen. Simon sollte Jesus zum Partner seiner kleinen Fischerei machen und diesen Erfolg sichern. Aber das Gegenteil tritt ein: diese Netzausbeute erschüttert Simon zutiefst. Er wird den Namen Petrus annehmen und in Zukunft mit Jesus gehen. Er wird versuchen, Menschen für dieses Vertrauen auf Jesu Worte zu gewinnen, auch wenn es erst abwegig erscheint, was Jesus vorschlägt.

Dafür möchte auch ich mich öffnen und mich nicht mehr so schnell deprimieren lassen. Gottvertrauen fassen wie Simon Petrus sein Netz wirft. Fahr hinaus, wo es tief ist, ins Ungewisse, wo du noch nie warst und auch nicht freiwillig hingehen würdest. Gerade jetzt, in der Krise. Mach etwas, was Du noch nie gemacht hast, und vertraue. Simon hat so eine überwältigende Erfahrung gemacht. Und das ist wahr, glaube ich. Die Welt danach wird eine andere sein und mein Platz darin ein anderer, und Gott wird ihn mir zeigen.

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