Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

12APR2020
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Gelobt sei Gott im höchsten Thron
samt seinem eingebornen Sohn,
der für uns hat genug getan.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

„Gelobt sei Gott im höchsten Thron“. Das Lied zum heutigen Ostersonntag setzt direkt mit einem Lob auf Gott ein. Dabei ist das jetzt nicht das erste, was mir nach den letzten Wochen in den Sinn kommt, die von der Corona-Krise geprägt sind. Normalerweise kommen an Ostern Familien und Freunde zusammen und feiern ein Fest der Lebensfreude. Und die Gemeinden singen in den Gottesdiensten das Halleluja als Lob auf Gott, der dem Leben wieder zum Sieg verholfen hat. Und dieses Jahr nichts von alledem. Im Gegenteil die Folgen, die diese Pandemie haben wird, sind noch nicht abzusehen. Ich kann jetzt nicht aus voller Brust in das Halleluja einstimmen. Ich muss das alles noch verarbeiten. Aber dieses Lied zeigt, wie das gehen könnte. Es gehört zu den Erzählliedern. Solche Lieder sind im frühen Mittelalter aufgekommen, wo die Christen die biblischen Geschichten nachgespielt und musikalisch inszeniert haben.

Des Morgens früh am dritten Tag,
da noch der Stein am Grabe lag,
erstand er frei ohn alle Klag.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

Jede Strophe endet mit diesem Halleluja-Jubel, der tänzerisch wirkt und einen anderen Rhythmus anschlägt als der Anfang der Strophe. Dort bin ich bei dem, was die Evangelisten vom Ostermorgen erzählen: Drei Frauen aus dem Freundeskreis von Jesus gehen am Morgen nach dem Sabbat zu seinem Grab und wollen seinen Leichnam salben. Sie sind ganz in Trauer und völlig überrascht als sie am Grab ankommen. Der Stein davor ist weggerollt und sie können nicht verstehen, was los ist. Es braucht jemanden, der ihnen hilft, das Erlebte zu verarbeiten. Einen, der sie tröstet und ihnen Mut macht:

Der Engel sprach: „Nun fürcht’ euch nicht;
denn ich weiß wohl, was euch gebricht.
Ihr sucht Jesus, den find’t ihr nicht.“
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

Dieser Engel am Grab tut vor allem eines: Er nimmt die drei Frauen ernst und fasst ihre Trauer in Worte. Das ermutigt auch mich, meine Traurigkeit ernst zu nehmen über die vielen Menschen, die hier bei uns, in Italien, Frankreich, den USA und auf der ganzen Welt in den letzten Wochen gestorben sind. Und meine Sorge zu spüren, ob ich gesund durch diese Krise komme und wieder ein normales Leben habe werde. Wenn ich dieses Jahr Ostern feiern will, muss ich bei diesen Sorgen ansetzen. Und es ist eben nicht mit einem Handstreich von jetzt auch gleich alles wieder gut. Ich will das ernst nehmen, was traurig macht und Sorgen weckt. Und wenn ich bete oder dieses Lied höre, will ich mit den anderen Leuten verbinden.

Ich glaube, dass Gott an Ostern alles neu macht. Und dass er mit der Auferweckung Jesu zeigt, dass das Leben über den Tod siegt. Das ist und bleibt meine Hoffnung. Und aus dieser Hoffnung heraus will ich immer wieder versuchen, den Takt der Trauer zu wechseln und in das Halleluja einstimmen. Ich vertraue darauf, dass Gott grundlegend die Trauer in Freude verwandelt hat. Auch wenn ich es jetzt noch nicht spüre. Heute an Ostern und mit diesem Lied bitte ich darum:


Nun bitten wir dich, Jesu Christ,
weil du vom Tod erstanden bist,
verleihe, was uns selig ist.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

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