Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

40 katholische Bischöfe aus dem Amazonasgebiet haben sich im Oktober in der Unterwelt Roms getroffen. In den Katakomben, den unterirdischen Begräbnisstätten der ersten Christengemeinden. Sie wollten damit an ihre Vorgänger erinnern, die am Ende des großen 2. Vatikanischen Konzils 1965 ebenfalls in den Katakomben einen feierlichen Pakt geschlossen hatten. Sie versprachen damals, freiwillig ein einfaches Leben zu führen, ihre Machtinsignien abzulegen und die Welt durch die Brille der Armen zu sehen. Sie versprachen, einen Pakt mit den Armen zu schließen. Das bedeutete, ganz auf der Seite der armen Menschen zu stehen und auch dementsprechend zu handeln. Die Bischöfe machten sich zu ihrem Sprachrohr. Damals hat das vielen Bischöfen aus den reichen Ländern der Erde gar nicht gepasst und es gab auch große theologische Streitereien.

Ich bin gespannt, wie es die Bischöfe aus dem Amazonasgebiet heute schaffen, ihr Anliegen voran zu treiben. Sie sind bewusst so wie ihre Vorgänger am Ende der Amazonassynode in Rom in den Untergrund der Katakomben gegangen, haben einen Gottesdienst gefeiert und sind dann eine Selbstverpflichtung eingegangen. Sie wollen einen einfachen Lebensstil pflegen. Und sie wollen die Region Amazonien schützen und ihre Bewohner. Gerade jetzt bekommt dieses Anliegen ja durch die Politik des neuen Präsidenten ein besonderes Gewicht. Mehr Geld durch mehr Abholzung ohne jede Rücksicht auf die Ureinwohner. Die Bischöfe aus Amazonien stellen sich strikt dagegen und das ganz unabhängig von dem, was Papst Franziskus aus den Ergebnissen der Amazonassynode in Rom machen wird. Ich finde diesen Katakomben-Pakt gut. Weil er ein ganz klares Zeichen setzt. Weil er sich am Leben der Bischöfe leicht nachvollziehen lässt. Weil er nicht auf eine offizielle Marschrichtung wartet. Weil hier Menschen einfach tun, was angesagt ist. Deshalb erzähle ich heute davon. Von einem Pakt, der zwar im Untergrund der Katakomben Roms unterzeichnet worden ist, aber nur dann wirken kann, wenn er an der Oberfläche, sichtbar und erkennbar für alle von so vielen Menschen wie möglich gelebt wird.

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