Manuskripte

SWR3 Gedanken

Heute feiern viele Kirchengemeinden landauf landab das Erntedankfest. Da ist der Altarraum der Kirche vollgepackt mit allem, was es auf den Feldern und Bäumen zu ernten gibt: Kartoffeln, Äpfel und Nüsse. Blumen, sogar Mehl und Brot.

Aber eigentlich seltsam. Ich kenne nur ganz wenige, die sich heute noch mit der Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt verdienen. Und trotzdem lassen sich die Kirchengemeinden das Erntedankfest nicht nehmen. Haben vergangenen Sonntag gefeiert oder feiern eben heute.

Ich finde das Fest auch immer noch wertvoll. Auch wenn ich keine große Ahnung davon habe, wieviel Mühe es macht, Kartoffeln anzubauen und zu ernten – für leckere Bratkartoffeln oder Kartoffelsalat bin ich trotzdem sehr dankbar. Oder auch für den Apfel im Frühstücksmüsli. Und daran erinnert mich das Erntedankfest: Dass ich viele Gründe habe, dankbar zu sein. Zum Beispiel dafür, dass wir in Deutschland so privilegiert sind. Niemand muss bei uns hungern.

Mit Erntedank feiern wir Christinnen und Christen aber auch, dass menschliche Mühe und Arbeit Früchte trägt. Dass wir ernten konnten, nachdem wir uns ordentlich ums Wachstum gekümmert haben. Ich nutze das Erntedankfest deswegen auch, um mir noch etwas Zeit zu nehmen. Mir zu überlegen, was mir in den vergangenen Wochen bei der Arbeit gelungen ist. Oder was tolle Erlebnisse mit der Familie und Freunden waren, von denen ich lange zehren kann. Ich finde, Erntedank lädt dazu ein, sich das bewusst zu machen und danke zu sagen. Den Menschen, die da eine Rolle gespielt haben. Und Gott, der dazu seinen Segen gegeben hat.

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