Manuskripte

SWR4 Abendgedanken

„Bevor die Sonne sinkt“. So beginnt ein Abendlied, das in vielen Gesangbüchern zu finden ist. Vielleicht haben Sie es selbst auch schon gesungen. Ich mag es gerne, weil es uns Menschen viele Tipps gibt, wie wir den Tag ausklingen lassen können.

„Bevor die Sonne sinkt, will ich den Tag bedenken.“

Der erste Tipp: Den Tag bedenken. Zurückblicken, auf die Stunden, die wir an diesem Tag erlebt haben. Begegnungen, Gespräche. Hoffentlich Worte, die den anderen geholfen haben. Sich noch einmal über das gut Gelungene freuen, noch einmal das nicht Gelungene anschauen, vielleicht kommt ja auch noch eine Idee, wie es das nächste Mal besser gehen kann. Bestimmt gibt es auch manches, zu dem wir heute gar nicht gekommen sind. Das dann auf der ToDo-Liste weitergeschoben wird auf den nächsten Tag.

„Die Zeit, sie eilt dahin“ heißt es im Lied. Als Kind habe ich das nicht verstanden. Jetzt, wo ich älter bin, kann ich das immer besser nachvollziehen. Ich habe oft den Eindruck, dass die Zeit sogar zu rennen scheint.

„Bevor die Sonne sinkt, will ich das Sorgen lassen.“

Der zweite Tipp: Das Sorgen lassen. Das ist oft aber leichter gesagt als getan. Man kann die Sorgen ja nicht ausknipsen, wie das Licht beim ins Bett gehen. Doch schläft es sich bestimmt besser, wenn wir nicht ständig an unsere Sorgen denken müssen. Vielleicht hilft es da, mit jemand Vertrautem zu sprechen. Anderen gelingt es, sie im Gebet Gott zu übergeben. Oder einfach nur, sie aufzuschreiben.

„Bevor die Sonne sinkt, will ich dir herzlich danken.“

Der dritte Tipp: Gott herzlich danken. Dafür, dass ich leben darf. Dafür, dass ich Freunde habe. Dafür, dass ich eine Arbeitsstelle habe. Dafür, dass ich in Sicherheit leben kann. Dafür, dass …, so vieles geht mir da durch den Kopf, dass ich gar nicht alles sagen kann.

„Die Zeit, die du mir lässt, will ich dir Lieder singen“ heißt es weiter im Text. Keiner von uns weiß, wieviel Zeit uns bleibt. Und das finde ich sehr gut so. Ich will gar nicht wissen, wann mein letzter Tag ist. Ich werde es merken. So erlebe ich jeden Tag dankbar als geschenkten Tag.

„Bevor die Sonne sinkt, will ich dich herzlich bitten: Nimm du den Tag zurück in deine guten Hände.

Der vierte und letzte Tipp: den Tag in Gottes gute Hände zurücklegen. Den Tag abgeben, er ist gewesen, und jetzt ist er fast zu Ende. Wir können ihn nicht mehr ändern.

So freue ich mich auf das Neue, das mich morgen erwartet.

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