Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Manchmal braucht man Menschen, die großzügig einspringen. Ohne Angst, selbst dabei zu kurz zu kommen. So, wie es ein Bekannter neulich erlebt hat:

Mit seinem Sohn ist er einkaufen gewesen. Achtzig Euro waren es an der Kasse. Mein Bekannter wollte mit Karte bezahlen. Aber das war nicht möglich – offenbar hatte er eine Abbuchung übersehen, und das Konto war nicht ausreichend gedeckt. Die beiden haben dann einen Teil der Waren zurückgegeben und es nochmal versucht. Aber auch fünfzig Euro ließen sich nicht bezahlen. Da ist die Sache schon richtig peinlich geworden, und die Schlange hinter ihnen immer länger … Bei zwanzig Euro der nächste Versuch – Fehlanzeige. 15 Euro – wieder nichts.

Also wollte mein Bekannter dann notgedrungen alle Waren zurückgeben. In diesem Moment ist eine Frau aus der Schlange nach vorne gekommen, hat ihre Karte genommen und den verbliebenen Einkauf bezahlt.

Mein Bekannter hat sich bedankt. Und er hat auf die Frau gewartet und sie gefragt, wie er ihr das Geld zurücküberweisen kann. „Nein“, hat die Frau da gemeint, „das ist nicht nötig. Das kommt irgendwann wieder zurück.“

Diese Haltung beeindruckt mich. Da hat jemand etwas hergeschenkt für einen wildfremden Menschen und keine direkte Gegenleistung verlangt. Und wohl darauf vertraut, dass es im Leben so was wie ausgleichende Gerechtigkeit gibt. Das, was ich einem anderen Menschen an Gutem tue, tut irgendwann mal jemand an mir …

Mein Bekannter hat sich nochmal bedankt bei der Frau. Und erst später, hat er erzählt, ist ihm ein Satz eingefallen, der noch viel passender gewesen wäre: „Vergelt’s Gott!“ Manche sagen diesen alten Satz noch ab und zu. „Vergelt’s Gott!“ Also: Gott möge dir zurückgeben, was du hergeschenkt hast. Jetzt – oder später.

Ich mag diesen Wunsch. Weil er so anders ist als das, was wir normalerweise machen – ich gebe dir was, aber dann erwarte ich auch eine Gegenleistung. Weil dieser Wunsch Gott so viel zutraut. Und weil er immer noch offenlässt, wie genau das Gute zurückkommt. Da kann Gott kreativ werden.

Vergelt’s Gott. Das sage ich heute dieser einen Frau an der Kasse. Und allen anderen, die großzügig herschenken.

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