Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Wer bemerkt seine eigenen Fehler?“ (Ps 19, 13) Diese Lebensweisheit steht in den biblischen Psalmen. Die Psalmen sind Gebete, die tiefgehende Lebensfragen aufgreifen. Und dazu gehört auch diese Erfahrung: Es ist gar nicht so einfach, die eigenen Fehlern und Schwächen zu erkennen und dazu zu stehen. Da gibt es Scheuklappen und blinde Flecke. Jeder steht ja vor sich und den anderen lieber gut da. Es kann passieren, dass ich die unliebsamen Seiten an mir selbst ausblende. Aber niemand besteht nur aus Stärken. Bei so manchem gibt es große Unterschiede zwischen dem, wie er sich selbst sieht – und wie die anderen ihn erleben.

Es tut dem Miteinander gut und letztlich auch mir selbst, wenn ich mir nichts über mich vormache. Wenn ich auch meine Unzulänglichkeiten und Schattenseiten sehe und dazu stehen kann.
Wie kann ich mir da auf die Schliche kommen?

Für mich persönlich ist dabei die Erkenntnis wichtig: Ich darf Fehler und Schwächen haben. Sie gehören zu jedem Menschen, also auch zu mir. Und ich kann Ja sagen zu mir mit meinen Schattenseiten. Denn ich spüre, dass ich von Gott angenommen bin, genau so, wie ich nun mal bin. Deshalb stellen meine Schwachpunkte mich nicht total infrage. Im Gegenteil: Wenn ich sie annehme, wenn ich sie als einen Teil von mir akzeptiere – dann haben sie mich nicht mehr im Griff – dann helfen sie mir sogar, dass ich menschlich reifer werden kann.

Ein Zweites tut mir dabei gut: Gottseidank erlebe ich im Freundeskreis und bei meinen Mitarbeitern, dass ich akzeptiert und geschätzt werde – mit meinen Ecken und Kanten. Auch wenn ich anderen damit manchmal das Leben schwer mache. Sie ertragen diese Seiten von mir. Das heißt: Sie tragen sie mit, sie tragen mich mit, so wie ich bin. Auch diese Erfahrung hilft mir, dass ich mich so annehmen kann, wie ich bin.

Und diese Erfahrung hat noch einen Nebeneffekt: Wenn die anderen Verständnis für meine Schwächen haben, dann fällt es mir umso leichter, Verständnis für ihre Schwächen zu haben. Auch wenn ich dabei manchmal seufzen muss. So wie sie über mich …

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