Manuskripte

SWR3 Gedanken

„Ej, tststs,“, zischelt es. Wie so oft vorm Bahnhofsbistro. Ich dreh mich um, erwarte das übliche Grinsen und „na, Mädel, so allä?“ Aber nein, kein Pfälzisch, ein fremder junger Mann. Grellgelber Trainingsanzug. Das Gesicht, dunkel wie seine Stimme. Er ist überrascht, dass ich ihn ansehe und dreht ab, mit schüchtern weißem Lächeln.

Drinnen sehe ich ihn wieder. Ihn und die anderen. Alle schwarz, mit Billigbrühkaffee in der Hand. Er erzählt etwas, die Freunde lachen. Was sie wohl reden? Finger fliegen über Handys, fahren durchs gegeelte Haar, die Augen suchend. Jeden Tag sind sie hier, heute erst sehe ich hin. Woher sie wohl kommen, Afghanistan, Syrien, Somalia? Hier sind sie jedenfalls gestrandet, im Kleinstadtbahnhof, sicher gelandet und doch unsicher…

Sie feixen, sehen rüber. Nun bin ich auch verunsichert. Fremde aufnehmen und annehmen. Klar doch, ich, als Christin erst recht, denke ich, und gehe doch schnell raus mit meinem Kaffee. Draußen ein Schrei. Eine ältere Frau ist gestürzt und bleibt liegen. Leute hasten vorbei, ich sehe auf die Uhr, zögere…

Da wird sie schon aufgesetzt. Sie blutet. Ein grellgelber Trainingsanzug bekommt rote Flecken. Plötzlich sind alle Jungs um sie herum, Handys gezückt, der Arzt alarmiert. Fremde Worte, ein Singsang in der Luft. Die Frau erschrickt kurz. Sie sieht das weiße, schüchterne Lächeln, dann lässt sie sich aufhelfen. „Sie sind wohl in guten Händen“, rufe ich ihr zu. „Sicher“, ruft sie.

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