Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

Ich erinnere mich noch gut, wie ich als zehn-, zwölfjähriger Junge nachts in den Himmel geschaut habe und überwältigt war von den vielen Sternen. Diese grenzenlose Weite über mir. Und ich habe gedacht, ja, das alles ist ein einziges großartiges Wunder. Und wenn es das Wunder dieser Erde und dieses Weltalls gibt, dann gibt es auch Gott. All das kann nicht einfach zufällig so sein.

Ich habe dann versucht, die Weite des Weltalls über mir zu erfassen, habe mir vorgestellt, wie weit es von mir bis zu diesem oder jenem Stern wohl sein mag, und so fort bis in die entfernteste Galaxie. Aber dann habe ich festgestellt, mir fehlt einfach die Vorstellungskraft, das Weltall und seine Unendlichkeit wirklich zu begreifen. Auf einmal habe ich mich ganz klein gefühlt und verloren. Und ich habe mich gefragt, wo soll denn da nun Gott sein, in dieser dunklen grenzenlosen Weite des Nichts?

Später habe ich dann gelesen, dass auch der französische Philosoph René Descartes wohl so ähnlich gefühlt, gedacht und solche Fragen gestellt hat. Natürlich viel geistreicher, umfassender und systematischer als ich. Heute, am 11. Februar im Jahr 1650, ist er in Stockholm gestorben.

„Cogito, ergo sum“, ich denke, also bin ich, ist der Schlüsselsatz seiner Erkenntnis. Auf ihm hat er sein ganzes philosophisches Denksystem entwickelt und aufgebaut. Wer sich seiner selbst und der Welt gewiss sein will, muss notwendigerweise alles hinterfragen, überprüfen, also zweifeln. Selbst wenn dabei jede Gewissheit hinterfragt werden kann, eines bleibt unbestreitbar bestehen: die Tatsache, dass man selbst denkt.

Aber zum Denken gehört der Zweifel. Ohne Zweifel gäbe es keine Gewissheit. Auch im Glauben. Ein Glaube, der sich dem Zweifel nicht aussetzt, ist mir immer etwas suspekt.
Ich weiß mich da in guter Gesellschaft. Zum Beispiel mit dem ungläubigen Thomas, der sich nach Ostern erst eigenhändig davon überzeugen muss, dass es wirklich Jesus ist, der vor ihm steht. Und dann aufgrund der Begegnung mit ihm aus vollem Herzen glaubt.

Auch für mich waren es vor allem Begegnungen mit Menschen, die mir glauben halfen. Einer davon war Wolf-Dietrich Hardung, Dekan meiner Jugendzeit in Bad Cannstatt, der mich und meine Zweifel ernst nahm und dann im gemeinsamen Nachdenken darüber immer eine Glaubensperspektive für mich entwickeln konnte. Ganz besonders im Zweifelsfall.

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