Manuskripte

SWR3 Gedanken

Sie sieht aus, als käme sie vom Krippenspiel. Schmale Gestalt, Schwarzaugen, lange Haare: Maria. "Ja, fast hätte ich mit meinem Sohn auch keinen Platz zum Bleiben gehabt", sagt sie lachend. Ich kenne Maria über eine Kollegin aus dem Frauenhaus, sie und ihre Geschichte.

"Ich habe aus Liebe geheiratet, ganz klassisch“, erzählt sie. Doch bald läuft alles schlecht. Ihr Mann sperrt sie ein. Arbeitslos geworden, will er selbst kaum noch raus. "Du gehst nicht weg! Wir machen uns einen schönen Abend, komm her", sagt er beschwörend. „Ich habe oft nein gesagt. Schon seine Augen, wie besessen, er war einfach nicht mehr er selbst." Eines Abends vergewaltigt er sie. "Im Bett hatte ich auch schon Besseres", raunzt er danach. Sie schämt sich. Fragt sich, warum sie´s ihm nicht recht machen kann. Ihn kann sie nicht fragen. Er schlägt immer öfter zu, schwört ihr danach seine Liebe. "Bist doch mit schuld", sagt ihr Vater.

So bleibt Maria, jahrelang. Bekommt ein Kind. Und ihr Mann misshandelt sie weiter. "Es hat mir ja niemand geglaubt. Wenn mich ein Flüchtling vergewaltigt hätte, ja dann… Aber doch nicht der eigene Ehemann.“ Von wegen. Die allermeisten Übergriffe begehen Deutsche. 2017 wurden hierzulande rund 130.000 Frauen zum Opfer ihrer eigenen Partner, 180 gar getötet. Ganz zu schweigen von denen, die weiter schweigen. Zum Heulen ist das. Doch Marias dunkle Augen lachen wieder. "Ich bin geflohen und im Frauenhaus gab es einen Platz." Ein Wunder. Fast wie bei der Herbergssuche. Selten, viel zu selten finden Frauen wie Maria eine Bleibe. „Ich wünsche mir nur, mit meinem Sohn Weihnachten zu feiern, ohne Angst.“ Das und mehr wünsche ich ihr auch.

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