Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Warten können: Das fällt vielen Menschen schwer, gerade vielleicht in heutiger Zeit. Internet und Handy machen es möglich, dass wir die Dinge immer schneller bekommen. Wir müssen nicht mehr warten, bis die Geschäfte offen haben, um etwas zu kaufen, das geht mit einem Klick im Netz. Und wir müssen uns auch nicht mehr gedulden, bis jemand zuhause am Telefon angekommen ist, wir erreichen ihn heutzutage mit dem Handy jetzt und sofort. Auf etwas warten: Das scheint immer mehr aus der Mode zu kommen und ist ziemlich verpönt.

Dabei gibt es auch die wunderbaren Seiten des Wartens: die Vorfreude zum Beispiel. Wenn ich im Restaurant sitze und auf eine Freundin warte, die ich lange nicht gesehen habe: Dann ist das Warten wunderbar. Warten kann auch geschenkte Zeit sein: Wenn ich zum Beispiel darauf warte, dass mein Essen auf dem Herd fertig wird und mir dabei eine Viertelstunde Zeitunglesen gönne, wozu ich sonst kaum komme: Dann tut mir Warten richtig gut. Und schließlich: Warten können ist wichtig, wenn es um die wichtigen Dinge des Lebens geht: Kinder zum Beispiel oder die Natur. Die darf ich nicht drängen, auf die muss ich warten.

Es gibt dazu eine Geschichte, an die muss ich gerade heute denken, am Barbaratag: Die heilige Barbara, so wird erzählt, ist wegen ihres Glaubens ins Gefängnis geworfen worden. Auf dem Weg in die Zelle ist sie an einem kahlen, winterlichen Zweig hängengeblieben. Den hat sie mitgenommen und in ihren Trinknapf gestellt. Sie hat ihm Wasser gegeben und gewartet, und dann ist dieser kahle Zweig mitten im Winter erblüht. Ein Zeichen für Leben und Auferstehung. Und ich finde: auch ein Zeichen dafür, dass sich Warten lohnen kann. Viele Menschen stellen sich heute, am 4. Dezember, Kirschzweige in die Wohnung – und hoffen darauf, dass sie an Weihnachten blühen. Die Barbarazweige stehen für mich auch dafür: Es ist gut, Dinge nicht sofort und auf der Stelle haben zu wollen. Sondern: die Vorfreude auszukosten. Hoffen und warten zu können.

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