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SWR3 Gedanken

Vor 60 Jahren hat die UNO den 2. Dezember zum Internationalen Tag für die Abschaffung der Sklaverei gemacht.
Es ist kein Gedenktag! Sklaverei gibt es auch in unserem aufgeklärten 3. Jahrtausend.
Pedro zum Beispiel arbeitet auf der Bananenplantage einer internationalen Südfruchthandelskette. Er ist 15 und lebt in Ecuador. Ohne Schutzanzug ist er immer wieder den Pestizidfliegern ausgesetzt. Und sein Lohn für die tägliche 10 Stunden-Schicht spricht den staatlichen Mindestlöhnen Hohn. Seit ein paar Wochen hustet er und hat Schmerzen in der Brust. Aber sich auskurieren ist keine Alternative: die Familie ist auf sein kleines Einkommen angewiesen.
Lisa lebt in Bangladesh. Sie ist 29 und arbeitet als Näherin in einer Zulieferfirma für eine große Textilkette. Ihre Familie kann sie mit dem knappen Lohn nur ernähren, wenn sie auch am Sonntag Überstunden macht - ohne Zuschlag. So wie sie auch ohne jegliche Absicherungen arbeitet. Wer mehrere Tage krank ist, wird entlassen. Wer gegen die schlechten Arbeitsbedingungen protestiert, kommt auf eine spezielle Liste und findet bei keinem Unternehmen mehr Arbeit.
Lisa hat keine Wahl.
Wir hier haben die Wahl. Der internationale Tag für die Abschaffung der Sklaverei kann mein persönlicher Aktionstag werden. Lisa und Pedro kann ich keine besseren Arbeitsplätze bei uns anbieten. Aber ich kann mein Konsumverhalten so ändern, dass die modernen Sklaventreiber immer weniger Absatzmöglichkeiten für ihre Waren finden. Bananen mit fair trade Siegel oder Kleidung jenseits der großen Ketten zu kaufen ist ein Anfang.
Das Ziel: den Tag für die Abschaffung der Sklaverei irgendwann zum Gedenktag zu machen, weil Globalisierung auch heißen kann, ein Netz der Gerechtigkeit zu spannen.

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