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SWR3 Gedanken

Die gute Nachricht zuerst: in 24 Tagen ist Heilig Abend
Die schlechte Nachricht: in 24 Tagen ist Heilig Abend!
In geschätzten 3 Millionen Kinderzimmern wurde heute Morgen das erste Türchen am Adventskalender geöffnet. Ab jetzt wird mich meine Jüngste jeden Tag fragen „Wie lange noch bis Weihnachten? Und ich werde Tag für Tag den ‚so-oft-noch-schlafen-Stand’ angeben und versuchen mir meine wachsende Unruhe nicht anmerken zu lassen.
Unruhig bin ich, weil ich keine Super-Check-Liste habe, was wann für wen noch zu besorgen ist. Weil ich die Grußkarten noch nicht geschrieben habe, und weil ich immer noch nicht weiß, wer nun letztlich wann wen besuchen wird.
Ich bin damit wenigstens nicht alleine: Mit wem ich auch spreche in diesen Tagen – alle sind gezeichnet von einer latenten Unruhe. Geschenke, Einladungen, Deko, Gebäck, Nikolaustag, Barbarazweig und so weiter… Ich wundere mich jedes Jahr, wo da die vielbeschworene weihnachtliche Stimmung herkommen soll.
Andererseits – so wie der Evangelist Lukas die Schwangerschaft Marias und die Umstände bei der Geburt Jesu beschreibt, herrschte da auch eher Aufregung als Besinnlichkeit.
Womöglich ist genau diese Haltung aber die authentischste. Wenn ich ernst nehme, dass mir in dem Kind in der Krippe Gott entgegen kommt, dann ist das durchaus ein Grund zum unruhig werden. Es ist doch vieles noch nicht so in Ordnung, wie ich mir das wünschen würde. Vielleicht wäre das Grußkartenschreiben ja ein Anlass endlich den Streit mit den ehemaligen Nachbarn zu begraben. Und bei der Festplanung überlegen, ob Höflichkeit immer vor Ehrlichkeit gehen muss.
Weihnachten so feiern, dass ich keine Altlasten an verstimmten Bekannten oder Verwandten mit mir rumschleppe, das ist eine Aussicht, die mich positiv unruhig macht – noch 24 Tage Zeit…

 

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