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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Es gibt so viele Ärgerlichkeiten im Alltag, die einem zusammengenommen ganz schön das Leben vermiesen können. Und hat man sich erstmal richtig darauf eingeschossen, dann nimmt man auch nur noch das Schlechte wahr:
Da hat meine Bahn eine wesentliche Verspätung, und schon knurre ich:
„Kann die denn nicht einmal pünktlich sein? Der ganze Tag ist mir verdorben!“ Oder da wartet jemand stundenlang beim Arzt. Das ist dann die Erfahrung, die zählt, da mag die Diagnose noch so beruhigend und die Behandlung noch so zufrieden stellend gewesen sein.
Das Gute nehme ich einfach als selbstverständlich hin, aber das Unangenehme, das lasse ich so schnell nicht mehr los. Da könnte ich mich so richtig reinstei-gern!
Warum nur? Ich mache mir damit doch nur das Leben schwer.
Dieser Tage habe ich aus heiterem Himmel eine SMS erhalten, ohne Absender. Da war zu lesen: „Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, mach Limonade draus.“ Das steht nicht in der Bibel – aber es gefällt mir. Ich verstehe das so:
Es liegt an mir, einer unangenehmen Situation etwas Gutes abzugewinnen.
Nur – wie?
Ich muss den Hebel umdrehen, dass ich mich nicht mehr als Opfer fühle: Opfer der Situation, der Umstände, von anderen Menschen, sondern dass ich selbst die Situation in die Hand nehme.
Ich kann entscheiden, aus der Rolle des Opfers hinauszutreten. Und ich kann mich fragen: „Was mache ich jetzt mit dieser Situation? Wie will ich damit umgehen?
Wenn nächstes Mal mein Zug Verspätung hat, kann ich doch genauso gut in dieses Buchgeschäft gehen, die Zeit nutzen und herumstöbern, anstatt ärgerlich den Gang auf und ab zu laufen.
Und anstatt sich im Wartezimmer beim Arzt tot zu ärgern, könnte man die Zeit für Besorgungen nutzen und mit der Sprechstundenhilfe eine neue Uhrzeit aus-machen.
Gott hat uns mit einem Verstand gesegnet, der klare Entscheidungen treffen kann: schaue ich nur immer auf die saure Zitrone oder sehe ich die vielfältigen Möglichkeiten, etwas aus ihr zu machen, sogar was Süßes.
„Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, mach Limonade draus.“
Ich wünsche Ihnen und mir viel Limonade in nächster Zeit.
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