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SWR3 Gedanken

Nach mehr als vierzig Berufsjahren ist mein Vater vor ein paar Jahren in den Ruhestand gegangen. Ich bin froh, nicht mehr arbeiten zu müssen, sagte er einmal. Es hat keine Freude mehr gemacht. Den Betrieb kannte er am Ende kaum noch wieder. Junge, ehrgeizige Chefs hatten nun das Sagen. Der Ton war rauer, der Druck höher geworden. Maximale Effizienz hieß das Zauberwort - bei Arbeitsabläufen und Mitarbeitern. Fast um jeden Preis.
Doch irgendwann wird der Preis immer fällig. So wie jeder Motor den Dienst quittiert, wenn er ständig überlastet wird, ist es im Prinzip ja auch bei uns. Nur noch viel schlimmer. In unseren modernen Arbeitswelten funktionieren wir ja erst mal weiter. Früher, da waren die Körper von harter Arbeit kaputt, regelrecht verschlissen. Doch körperliche Beschwerden sind heute seltener geworden. Dafür rebelliert die Seele. Wer heute nicht mehr kann, der ist oft seelisch beschädigt. Ausgebrannt. An unserer Universität etwa sind die Anfragen nach psychologischer Beratung dramatisch gestiegen. An anderen Hochschulen ist es nicht anders. Schon meine dreizehnjährige Nichte ächzt unter ihrer verkürzten Schulzeit. Ihre Arbeitstage sind oft länger als meine. Optimierte Kindheit mit maximaler Effizienz eben.
Der Sabbat, der in der Bibel vorgeschriebene Ruhetag, sei für den Menschen da, nicht umgekehrt, hat Jesus einmal gesagt. Er meinte damit: Der Mensch und sein Wohlergehen sind das entscheidende Maß für alles andere, sogar für religiöse Gebote. Warum eigentlich sollte das in der Arbeitswelt, diesem wichtigen Teil unseres Lebens, genau andersherum sein?

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