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SWR2 Wort zum Tag

Habakuk ist der Name eines Propheten. Ein kleines biblisches Buch erzählt von ihm. Ha-bakuk fällt sofort mit der Tür ins Haus: "Wie lange, Herr, soll ich noch rufen, und du hörst nicht?" beklagt er sich. (Hab 1,2). Und sagt auch, warum: "Das Gesetz ist ohne Kraft, und das Recht setzt sich niemals mehr durch." (Hab 1,4a) Gott antwortet ihm. Er verbittet sich diese Kritik keineswegs, sondern verspricht Habakuk, ihn zu stärken in sei-nem Ringen um Recht und Gerechtigkeit.
Habakuk ist auch der Name einer Initiative, die die Caritas in Baden-Württemberg ins Leben gerufen hat. Der Name des Propheten aus vergangener Zeit steht dafür Pate, weil sein Problem auch heute aktuell ist: Es gibt Gesetze, aber diejenigen, die dringend darauf angewiesen sind, bekommen dennoch oft nicht ihr Recht. So etwa die 14-jährige Nadine. Sie leidet seit längerem an einer psychischen Störung. Eine ambulante Therapie hilft nicht weiter. In der Schule kommt sie recht und schlecht mit, aber sie fühlt sich uner-träglich gemobbt. Schließlich kommt sie nächtelang nicht mehr nach Hause. In ihrem zweifelhaften Freundeskreis kursieren Drogen. Die Mutter stellt beim Jugendamt einen Antrag auf stationäre Unterbringung, weil sie keine andere Lösung mehr sieht. Monate-lang hört sie nichts, dann kommt die Ablehnung. "Falleingangs-Steuerung" heißt das in der Behördensprache. Über ein Jahr vergeht, eine qualvolle Zeit für Nadine und ihre Mut-ter. Dann setzt sich die Mutter mit Hilfe eines Anwalts vor Gericht durch, und das Ju-gendamt muss dem Mädchen eine Rehabilitationsmaßnahme gewähren. Heute, nach drei Jahren, hat Nadine den Hauptschulabschluss geschafft und eine Ausbildung begonnen.
Nadine hatte noch Glück: Ihre Mutter ließ sich nicht entmutigen und kämpfte für sie. Wie viele Eltern sind in einer solchen Situation überfordert und bei all den Sorgen zu müde, um für das Recht ihrer Kinder zu kämpfen? Wie viele Kinder haben gar keine Fürspre-cher?
Die Initiative Habakuk ist ein Netzwerk ehrenamtlich engagierter Menschen, die jungen Menschen wie Nadine beistehen. Für sie haben das Wohl und die Rechte von Kindern Vor-rang vor den Sparmethoden von Behörden. Ehrenamtliche Sozialarbeiter, Juristen, Leh-rer, Studierende beraten und unterstützen in ihrer Freizeit betroffene Eltern. Sie ermuti-gen sie, sich für ihre Kinder stark zu machen, damit auch die Kinder ihre Stärke entfalten können.
Der biblische Habakuk betet: "Herr, ich höre die Kunde, ich sehe, Herr, was du früher getan hast. Lass es in diesen Jahren wieder geschehen." (Hab 3, 2) Wie es scheint, wer-den solche Gebete ab und zu erhört.
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