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SWR2 Wort zum Tag

Darwin: Evolution und Schöpfung
Was ist der Grund unserer Freiheit?

Charles Darwins Bücher „Die Entstehung der Arten“ und „Die Abstammung des Menschen“ haben die Sicht der Welt gründlich durcheinander gebracht und vor allem das Selbstverständnis des Menschen verändert. Der Glaube, Gott habe die Welt in allen ihren heutigen Erscheinungsformen an fünf Tagen erschaffen und am sechsten Tag den Menschen – als Höhepunkt und Krönung von allem –, dieser Glaube schien sich durch den alles umfassenden Evolutionsgedanken in Nichts aufzulösen.
Das Entweder-Oder zwischen einer von Gott bewirkten Schöpfung und der Evolutionslehre ist heute – Gottseidank – kein ernstzunehmendes Streitthema mehr. Geblieben aber ist die Frage nach dem Ort des Menschen in einer evolutiven Welt. Ist er ein reines Zufallsprodukt, entstanden aus dem Ringen um bestmögliche Anpassung an die natürliche Umwelt und um das Überleben darin? Ist er nur von Naturgesetzen beherrscht? Ist alles in unserem Leben genetisch determiniert? Ist Freiheit eine Illusion?
Der Mensch ist Teil der Natur. Das bedeutet auch, dass er den Gesetzen der Natur unterworfen ist. Der Tod, das Schicksal allen Lebens, ist der deutlichste Sieg der Naturgesetze über alle unsere Erfahrungen von Freiheit. Aber sind diese Freiheitserfahrungen deshalb einfach nichts? Ist nicht unser Widerspruch gegen den Tod, unser Suchen nach Sinn und Leben, das stärkste Zeichen dafür, dass wir Menschen in ein Offenes hinein reichen – auch wenn wir durch den Tod eingeholt werden? Zeigen Kunst, Kultur, Wissenschaft und Technik nicht, dass wir uns den Naturgesetzen nicht nur anpassen, sondern dass wir sie auch nutzen und die Welt gestalten können? Warum können wir – als einziges Lebewesen – Ja und Nein sagen, auch zu uns selbst, und sogar uns und unsere Welt zerstören? Woher kommt Böses in der Welt? Und warum lieben wir – nicht nur zum Zwecke der Fortpflanzung, sondern aus Freude am Du? Warum können wir selbstlos sein, obwohl dies unseren Eigeninteressen widerspricht? Warum können wir hoffen und neu beginnen, auch wo es scheinbar nichts mehr zu hoffen gibt? Warum spüren wir ein Gewissen und übernehmen Verantwortung? Woher kommt die Kraft des Glaubens?

Sicher lassen sich für alle diese menschlichen Strebungen neurobiologische Vorgänge finden. Naturgesetze wirken in uns, gewiss. Und sie sind ein Wunder. Aber wie können wir mit ihrem Zusammenwirken das Wunder der Freiheit erklären? Was ist der Grund unserer Freiheit? https://www.kirche-im-swr.de/?m=6147