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SWR2 Wort zum Tag

Als unsere Tochter getauft werden sollte, haben mein Mann und ich ganz schön lange in der Bibel geblättert. Auf der Suche nach einem Taufspruch. Eine ziemlich schwierige Aufgabe für Eltern, finde ich. Was wünscht man so einem kleinen Kind nicht alles für sein Leben! Schutz braucht es, Liebe und Fürsorge. Zu einem freundlichen, hilfsbereiten, selbstbewussten, fröhlichen Menschen soll es heranwachsen. Und es soll lernen, auf Gott zu vertrauen. Und all das soll möglichst im Taufspruch zum Ausdruck kommen.

Nach langem Blättern und Beraten war es eher ein Zufallsfund, für den wir uns entschieden haben. Der Taufspruch unserer Tochter ist ein Segenswort: „Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden“.
„Erhebe sein Angesicht auf dich“ – eine sehr altertümliche Formulierung. Trotzdem, seit ich weiß, was das bedeutet, gefällt mir dieser Segenswunsch gut. „Sein Angesicht erheben“, das heißt in der Sprache der Bibel so viel wie „freundlich anblicken“. Das finde ich ganz anschaulich. Wenn ich jemandem begegne, dann freue ich mich, wenn er oder sie den Kopf hebt und mich anschaut. Wenn er oder sie nicht gelangweilt an mir vorbei schaut oder peinlich berührt zu Boden, auch nicht hochmütig über mich hinweg, sondern freundlich und direkt mir in die Augen. Das tut gut. Und es zeigt: Wir beide gehen friedlich miteinander um.

So, hoffe ich, schaut Gott uns Menschen an, Sie und mich und auch meine Tochter. Manchmal mit einem Lächeln. Manchmal ernst. Aber immer freundlich und direkt.
Und ich glaube: Dieser freundliche Blick von Gott tut gut. Denn er zeigt: Da meint es einer gut mit mir. Selbst wenn er mich kritisch anschaut, spricht aus diesem Blick noch ein grundsätzliches Ja zu mir. Ein Ja, das ich in den Blicken meiner Mitmenschen nicht immer lesen kann. Und ein Ja, das ich selbst nicht immer zu mir sagen kann.

Diesen freundlichen Blick, dieses Ja zu spüren, das hilft mir, Frieden zu finden. Deshalb ist es gut, dass ich diesen Segenswunsch immer wieder zu hören bekomme. Fast in jedem evangelischen Gottesdienst wird er am Ende gesprochen. „Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“

Ich hoffe, dass auch unsere Tochter diesen Segen, ihren Taufspruch, ab und zu im Gottesdienst hört. Und dabei etwas davon spürt, wie freundlich Gott sie ansieht. Und was Frieden ist.
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