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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

13JAN2022
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„Wenn es zu Zwischenfällen kommt, dann schießen wir. Ohne Rücksicht auf die Musiker.“ Das gibt die Gefängnisleitung aus Folsom in Kalifornien dem Sänger Johnny Cash mit auf den Weg ins Konzert.

Keine ideale Motivation für eine Band vor einem Auftritt. Am 13. Januar 1968, heute vor 54 Jahren,  tritt Johnny Cash mit seiner Band im Gefängnis der Stadt auf. Und es wird ein Riesenerfolg. Der Mitschnitt davon geht als Langspielplatte rund um die Welt. Sie wird zu einem der erfolgreichsten Alben aller Zeiten. Cash singt zur Eröffnung den „Folsom prison blues“. Da singt er über einen jungen Mann, der wegen Mordes lebenslang im Gefängnis sitzt: „ Ich habe einen Mann in Reno erschossen, nur weil ich ihn sterben sehen wollte“.

Das Publikum  applaudiert. Für mich geht das gar nicht. Einen Menschen töten, das ist absolutes Tabu. Cash sah das sicher genauso, aber er hatte ein Herz für die Gefangenen, egal was sie verbrochen hatten. Er sah sich als Anwalt der Kleinen, Zukurzgekommenen. Deshalb trat er auch ab den 70er Jahren nur noch in schwarzer Kleidung  auf.  In seinem Song “Man in Black” erklärt er, warum: "Ich trage Schwarz für die Armen und Unterdrückten, die auf der hungrigen, hoffnungslosen Seite der Stadt leben, ich trage es für den Gefangenen, der längst für sein Verbrechen gebüßt hat, aber immer noch einsitzt, weil er ein Opfer seiner Zeit ist.“

Cashs Lieder handelten meist von seiner eigenen schweren Kindheit, von den Armen, Verdammten und Unterdrückten der Welt, aber auch von Liebe und Hoffnung, von Glaube und Zuversicht. Er fand Halt im Glauben, aber vor allem bei seiner Frau June Carter. Selbst schwer krank, muss er den Tod seiner Frau im Mai 2003 erleben und folgt ihr nur vier Monate später im September. Auf seinem Grabstein steht ein Spruch aus dem Psalm 19 der Bibel: „Die Worte meines Mundes mögen dir gefallen; was ich im Herzen erwäge, stehe dir vor Augen, Herr, mein Fels und mein Erlöser“. (Ps19,15)

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