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SWR2 Wort zum Tag

25NOV2021
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Am neunzehnten November, vor zwanzig Jahren und paar Tagen, morgens um kurz vor sechs war es vorbei mit dem Glück in unserer Familie. Statt morgens aufzuwachen und zur Arbeit zu gehen, war Johannes, unser ältester Sohn, im Lauf der Nacht gestorben. Ohne irgendwelche Vorzeichen; von gestern auf heute.

Erst mal war da nur Schock. Zwanzig Jahre Lebensgeschichte und Engagement und viel Spaß und viele Anstrengungen – einfach abgerissen. Hoffnungen und neue Ideen,  ein Johannes, der gerade anfing, selbständig zu werden... Alles vorbei. Und wir – seine Brüder und seine Eltern: Den Rest des Lebens dazu verdammt, unglücklich zu sein? Eine schreckliche Vorstellung...

Ich bin froh, dass es anders gekommen ist. Unsere Familie als glückliche Familie: so ein Foto sähe natürlich anders aus als die happy go lucky-Bilder, die einem die Werbung täglich vor Augen hält. Glück: Das findet auch statt, wenn Menschen mit einem Unglück zu leben gelernt haben, mit dem Schmerz eines solchen Verlustes. „Drüber weg“ kommt man nie!

Johannes fehlt uns; die Lücke bleibt, die Vorstellung, wie es jetzt mit ihm wäre, wie es ihm gehen würde: das begleitet uns immer noch, mal heftiger und mal weniger stark. Und wir halten auch bewusst daran fest – immer brennt Johannes‘ Kerze vor dem Küchenfenster – und auf dem Grab im Dorf nebenan auch. Sein jüngster Bruder ist gerade Vater geworden –  und unser Enkel heißt mit zweitem Namen: Johannes. Es hat uns zu Tränen gerührt – und nimmt die Erinnerung mit in die nächste Generation.

Sowas hat uns geholfen und hilft immer noch. Viele Menschen haben uns unterstützt, von Anfang an und immer mal wieder: An ihn zu denken, um ihn zu trauern und für ihn zu hoffen.

Denn das ist uns eben auch wichtig: Johannes ist aus diesem Leben weggegangen; aber ich bin zuversichtlich und voller Hoffnung, dass er uns erwartet in einem anderen Leben,  im Glück, bei GOtt.

Da hin ist er uns schon mal vorausgegangen. Diese Sicherheit ist ein Teil meines Glücks  – trotz allem;  und macht unser ganzes Leben irgendwie zu einem Advent – auch wenn der Advent für alle erst am Sonntag beginnt.

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