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SWR4 Abendgedanken

13OKT2021
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Jedes Mal, wenn ich einem Freund oder einer Bekannten zum Geburtstag gratuliere, sage ich, dass ich ihnen „vor allem Gesundheit“ wünsche. Manchmal auch, obwohl ich weiß, dass er oder sie sich mit einer Krankheit plagt. Das fühlt sich seltsam an, aber ich sage es eben trotzdem: „vor allem Gesundheit!“

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat 1948 erklärt, dass Gesundheit etwas anderes ist, als nicht krank zu sein. Die Vertreter der WHO haben Gesundheit bestimmt als Wohlbefinden auf der physischen, psychischen und sozialen Ebene.

Dass es um ein Wohlbefinden auf der physischen, der körperlichen Ebene geht, ist naheliegend. Aber auch da ist klar, ich kann körperliche Gebrechen haben, und mich trotzdem wohlfühlen. Wer schwer erkrankt ist, ist krank. Keine Frage. Aber es gibt zum Beispiel viele Diabetiker, die sich das Leben mit ihrer Krankheit gut eingerichtet haben und sich wohl fühlen. Und wenn ich an die Paralympics denke, wird klar, dass sich auch Menschen mit Behinderungen wohl in ihrem Körper finden können. Umgekehrt weiß ich, wie quälend es sein kann, wenn ich mit einer richtigen Grippe im Bett liege und vor Gliederscherzen nicht weiß, wie ich liegen soll. Der Punkt ist also nicht nur der Zustand meines Körpers, sondern wie ich mit ihm leben kann.

Heute ist den meisten Menschen klar, dass Gesundheit und Wohlbefinden auch eine psychische Seite haben. Auch seelisch kann ich überbelastet sein. Manche werden krank, weil sie sich innerlich ständig kritisieren und niedermachen. Aber wenn ich mir Zeit zum Aufatmen lasse, wenn ich nach einem anstrengenden Tag eine positive Bilanz ziehe, was ich geschafft habe, dann kann ich damit zu meinem psychischen Wohlbefinden beitragen.

Die dritte Komponente für Gesundheit ist das soziale Wohlbefinden. Für mich gehört dazu das Netz an Freunden und Bekannten, auf die ich mich immer verlassen kann. Das ist die Basis. Dazu kommt, dass ich mich bemühe, Konflikte angemessen zu lösen. Ich glaube daran, dass man Konflikte lösen kann, wenn man miteinander spricht und die Perspektive des anderen versteht.

Bei all dem ist klar, ob ich gesund bin und mich wohl befinde, liegt nicht nur in meiner Macht. Da will ich auf Gott vertrauen. Dieses von Gott geschenkte Wohlbefinden heißt auf Hebräisch „Schalom“ und wird oft nur als „Friede“ übersetzt. Aber es meint alle drei Seiten. Wenn ich anderen „Gesundheit“ wünsche, wünsche ich ihnen alle Seiten von diesem Wohlbefinden, diesem Shalom: Dass Gott ihr Leben von schwierigen Ereignissen verschont, und dass er ihnen die Gabe gibt, damit umzugehen, wenn sie doch etwas Schwieriges erleben. Deshalb ist das ein sehr schöner Wunsch, wenn ich anderen Gesundheit wünsche.

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