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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

14SEP2021
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Meine Kinder haben mir zum Geburtstag eine Stirnleuchte geschenkt. Und zwar die beste, die es auf dem Markt gibt. Ich hatte sie mir gewünscht, weil ich sie auf meinen Wanderungen mitnehmen wollte. Oft schon hat eine Tour länger gedauert als geplant, und eh ich mich versah, war die Dämmerung hereingebrochen. Das kann ganz schön unangenehm werden, denn der Weg im Wald ist manchmal sehr uneben und dadurch gefährlich. Auch Abzweigungen und die Wanderzeichen an den Bäumen sind im Dunkeln kaum mehr zu erkennen. Aber jetzt habe ich ja meine Stirnlampe. So lässt sich der Weg gut ausleuchten, und Gefahren sind frühzeitig zu erkennen. – Wenn es doch nur im Leben auch so einfach wäre. Schnell den Knopf drücken und schon wird es hell und ich habe wieder Durchblick. Aber jeder weiß, dass das nicht funktioniert. Manchmal kommt einfach alles zusammen: Gesundheitliche, finanzielle, berufliche Einschläge. Konflikte in der Familie mit den Kindern oder in der Ehe. Und dann noch die immer neuen Katastrophenmeldungen und Krisenberichte im Fernsehen. Wie soll man da nach vorne gehen?

Da bietet auch der Glaube keine einfache Lösung an.  Und doch wird in der Bibel immer wieder berichtet, wie Menschen mit Gott um gute Entscheidungen und den richtigen Weg ringen. Dabei passiert etwas mit ihnen und mit mir. Indem ich meine Situation und meine Fragen im Gebet vor Gott ausbreite und mit Jesus innerlich darüber diskutiere, werde ich ruhig. Das ist nur der erste Schritt, um aus der dunklen Abwärtsspirale meiner Gefühle herauszukommen. Aber er gibt mir so viel Abstand zu meinen Gedanken, dass ich sie ordnen kann. Wichtiges wird wichtig, und Belangloses wird belanglos. Und mehr noch: In diese Situation spricht Jesus manchmal auch direkt hinein. Nicht wie ein Mensch, aber doch so, dass auf einmal neue Aspekte, Gedanken und Impulse in mir aufblitzen. „Es denkt in mir“, nenne ich das gerne. – Nein, die Probleme sind dadurch nicht weg, und der bisweilen beschwerliche Weg liegt immer noch vor mir. Vielleicht erkenne ich die Bedrohung, die auf mich zukommt sogar deutlicher als vorher. Aber das ist doch etwas! So kann ich vorwärtsgehen, egal wie lang und schwierig der Weg ist. Für mich ist das die Erfahrung, die Jesus selbst einmal so beschreibt, als er sagte: „Ich bin das Licht der Welt“ (Jh 8,12). Gar nicht so unwahrscheinlich, dass ich auch heute wieder in eine Situation gerate, in der ich genau darauf angewiesen bin.

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