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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

16AUG2021
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„Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an“.

Diesen Satz aus der Bibel haben wir für unseren Sohn ausgesucht als Taufspruch. Während Menschen oft nach Äußerlichkeiten schauen und andere danach beurteilen, sieht Gott hinter die Fassade. Er kennt uns und nimmt uns liebevoll als ganzen Menschen wahr und an. Das wollten wir unserem Sohn mitgeben.

Ganz anders hört das Daniel. Er ist Gemeindemitglied. Als er an diesem Sonntag unseren Taufspruch hört, spricht er mich an. Für ihn klingt der Spruch nach einem düsteren Erziehungsmittel, das Menschen in Angst versetzen soll. Unter dem Motto: „Gott sieht alles!“ Er fühlt sich bedroht von einem allwissenden Gott, der jede kleine Sünde bestraft. Für Daniel ist das kein Zuspruch. Für Daniel ist dieser Gott ein Tyrann, der auch noch das letzte Stück Intimität bespitzelt. Daniel hat dann erklärt, warum das so für ihn ist. Sein Vater ist ein Tyrann gewesen. Er hat ihm das Leben sehr schwer gemacht. Wenn Gott so ist, wie sein Vater, dann will Daniel mit diesem Gott nichts zu tun haben. Wie wir etwas verstehen hat damit zu tun, was wir erlebt haben. Das habe ich durch Daniel verstanden.

Für mich ist das Bild Gottes als Vater Ausdruck der liebevollen Zuwendung Gottes. Für Daniel eine Drohung. In unserem Gespräch ist mir deutlich geworden wie gut es ist, dass es in der Bibel so viele Arten gibt von Gott zu erzählen, so viele unterschiedliche Bilder. Gott ist nicht nur Vater. Gott wird beschrieben als guter Hirte, als helles Licht, als Wind, einmal sogar als Glucke, die sich um ihre Küken kümmert. Für Menschen, die so etwas erlebt haben, wie Daniel, kann das ein großer Trost sein. Und bei mir ist hängengeblieben: Worte, Sätze und Bilder können unterschiedlich verstanden werden. Sie können unterschiedliche Assoziationen hervorrufen, je nachdem, was man erlebt hat. Umso wichtiger ist es, im Gespräch zu bleiben und zuzuhören, zu erklären, was man wie meint.  Ich jedenfalls werde zukünftig immer erklären, was dieser Taufspruch für mich bedeutet: Gott liebt Dich, mit allem, was zu dir gehört.  – auch wenn Dich die anderen oder du dich selbst gerade nicht magst. Und das gilt für uns alle – Gott sei Dank!

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