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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

31JUL2021
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„Wer seinen eigenen Weg geht, dem wachsen Flügel“. Diesen Satz aus dem Buddhismus habe ich auf einer Karte gesehen. Der abgebildete Weg führt über einen Holzsteg mit Geländer zu einem Leuchtturm. Vielleicht ist damit die Erleuchtung gemeint, die Menschen suchen.

Seit fast anderthalb Jahren frage ich mich immer wieder mal, was mein Weg mit und durch die Pandemie ist. Ich frage mich auch, wie wir unser Leben gestalten können, wieviel Abstand und wieviel Miteinander jetzt möglich und nötig ist. Ich bin mir durchaus unsicher, ob jetzt die richtige Zeit ist, im Urlaub ins Ausland zu fahren oder ob, wenn überhaupt, Urlaub in Deutschland der bessere Weg ist.

Fast jeden Tag bin ich mit unserem Hund unterwegs. Wenn ich zurück komme, fühle ich mich meistens richtig gut. Stark. Getreu dem Motto ‚Mach deinen Körper stark‘. Denn mit einem starken Körper bin ich ja auch meinen seelischen Belastungen besser gewachsen.

Doch in letzter Zeit fühle ich mich manchmal so ganz anders. Neulich dachte ich beim Laufen an die Geschichte von den Fröschen, die in den Milchtopf gefallen sind. Der eine meint, alles Strampeln ist vergeblich. Und geht unter. Der andere strampelt und strampelt bis die Milch zu Butter geworden ist und er aus dem Topf springen kann. Ich fühle mich manchmal wie der erste Frosch. Alles erscheint dann so sinnlos. Natürlich weiß ich, welchen Sinn es hat, dass ich die AHA-Regeln befolge. Aber mein Gefühl sagt mir: Das ist alles zu viel. Das schaffe ich nicht. Das schaffen wir nicht. Und ich denke an so viele, die ihren Sport oder ihr Hobby lange nicht ausüben konnten: Tanzen, Schwimmen, Fußball oder andere Mannschaftssportarten oder das Singen. Sie alle haben es schwer. Oder wie mag es wohl den Menschen gehen, die nun schon seit einem Jahr in einer kleinen Wohnung wohnen oder gar keine Wohnung haben.

Ich denke an die Menschen in den Flüchtlingslagern. Zum Beispiel die Menschen aus Burundi, die in Tansania Zuflucht gefunden haben. Und die nun auf engstem Raum und unter ganz schlimmen Bedingungen leben müssen. Denn in ihrer Heimat gibt es nicht enden wollende politische Unruhen. Und Covid 19 fragt auch dort nicht nach Ländergrenzen.

Ich schaue nochmal auf die Karte mit dem Leuchtturm und dem eigenen Weg, auf dem einem Flügel wachsen. Sie erinnert mich an das erste Schöpfungslicht. Dieses Licht hat mein Leben hervorgebracht. Gott hat uns geschaffen als Menschen, lebensfähig. Ausgestattet mit allem, was wir zum Leben brauchen, und frei. Und auf unseren Wegen, die wir zu gehen haben, sind wir begleitet von Gottes Licht und Gottes Liebe.

Das hilft mir, mich nicht unterkriegen zu lassen – auch nicht von der Pandemie.

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