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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

20JUL2021
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In der Bibel wird sie großgeschrieben – die Gastfreundschaft! „Übt Gastfreundschaft“, heißt es da, oder „vergesst die Gastfreundschaft nicht“. Wozu? Ich denke, in biblischen Zeiten war das schlicht überlebensnotwendig; da konnte man ja nicht - nach langer Reise - mal eben in den Supermarkt oder in die Pizzeria. Herbergen gab es auch nicht an jeder Ecke. In der Fremde ist man also ziemlich oft auf Gastfreundschaft angewiesen gewesen. 

Ich finde die biblische Weisung aber immer noch klug. Denn andere umsorgen - das macht nicht nur satt - es macht glücklich. Und manchmal können daraus sogar internationale Beziehungen entstehen. So habe ich das erlebt:

Über unserem Gartenzaun hängt eine fette Weinrebe. Letzten Sommer ist eine Frau davor stehengeblieben. Sie hat höflich gefragt, ob sie sich wohl ein paar Weinblätter abschneiden darf, zum Kochen.
„Klar“, habe ich gesagt, „so viel Sie wollen.“
Und jetzt, ein Jahr später, haben plötzlich zwei Kinder vor unserer Haustür gestanden; der Vater ist eher so im Hintergrund geblieben. Sie haben gefragt: „Dürfen wir uns von den Weinblättern nehmen? Unsere Mama hat auch schon mal gefragt, letztes Jahr.“

„Nur zu!“ habe ich gesagt. „Nehmt euch, soviel ihr wollt.“ Und dann bin ich neugierig geworden. Ich bin zu ihnen rausgegangen und hab gefragt, was sie denn genau damit machen.
„Das ist ein kurdisches Gericht“, hat der Mann gesagt. „Ich werde ihnen später etwas davon vorbeibringen. Meine Frau wird darauf bestehen.“

Und wirklich, ein paar Stunden später klingelt es an der Tür und der Mann übereicht mir ein herrlich duftendes Gericht: Die besten gefüllten Weinblätter meines Lebens!

Als die Kinder die Platte abholen, sage ich „Das war so lecker! Ich wünschte, eure Mutter würde mir mal zeigen, wie das geht.“
„Oh, bestimmt!“, sagen die Kinder wie aus einem Munde.
Und ich denke: Vielleicht ist das  ja der Beginn einer wunderbaren inter-nationalen Gastfreundschaft…?

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