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SWR2 Lied zum Sonntag

06JUN2021
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Musik


Das Lied zum Sonntag heute ist schon etwa 350 Jahre alt. Der Verfasser heißt Joachim Neander. Er ist mit nur 30 Jahren im Mai 1680 gestorben. Doch unsterblich ist bis heute sein Lied „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“.

Musik  

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren,
meine geliebete Seele, das ist mein Begehren.
Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf,
lasset den Lobgesang hören.

Joachim Neander will in und mit der Schöpfung singen. Er hat seine Gemeinde gern in Gottes freier Natur versammelt, manchmal auch in einer Berghöhle. Das Echo, das sich hier in dieser Höhle beim Singen einstellt, hat Neander sogar in sein Lied mit eingebaut. Später ging dieses Echo in den Gesangbüchern leider wieder verloren. Aber gleich hören wir es am Cembalo, sogar als Doppel-Echo! Vielleicht will Joachim Neander uns damit sagen, dass Mensch und Natur so eng zusammengehören wie die Musik und ihr Echo.

Musik 

Als Jugendlicher habe ich in unserem dörflichen Kirchenchor dieses Lied gern gesungen, in Form einer Lied-Kantate des Frankfurter Organisten Helmut Walcha. Wenn der katholische und der evangelische Chor im Kanon gesungen haben, dann hat das sogar eine ökumenische Bedeutung bekommen: Wir singen das Gleiche, aber doch zeitlich gestaffelt. Helmut Walcha komponiert den Kanon kunstvoll bei den Liedworten „Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet“.

Musik

Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet,
der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet.
In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott
über dir Flügel gebreitet.

Joachim Neander empfiehlt den Sängerinnen und Sängern seines Liedes, wo sie es singen können – nämlich: „im Grünen, auf Reisen und zu Hause“. Die Familie des evangelischen Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer hat „Lobe den Herren“ als festliche Hausmusik gesungen. Und zwar in der Vertonung, die wir gerade gehört haben. Wenige Wochen, bevor die Gestapo ihn verhaftet hat, hat Bonhoeffer am Klavier den Familienchor zum 75. Geburtstag seines Vaters geleitet. Der Vater hat ihm noch einen Dankesbrief ins Gefängnis geschickt. Er schreibt: „Bei all der Unruhe, die wir jetzt haben, ist uns die Kantate über ‚Lobe den Herren‘, die Du für meinen 75sten Geburtstag mit den Enkeln und Geschwistern einstudiert hast, eine schöne Erinnerung, und die wollen wir festhalten.“

Musik

Das schon 350 Jahre alte Lied „Lobe den Herren“ begleitet mich schon lange auf meinem Lebensweg. Immer wieder nehme ich mir Zeit, darüber nachzudenken. Vom ersten Impuls „Lobe den Herren“ bis zum allerletzten Wort im Lied, dem feierlichen „Amen“. Die letzte Strophe gefällt mir am besten in Johann Sebastian Bachs Vertonung: ein krönender Abschluss mit Trompeten und Pauken.

Musik

Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen.
Alles, was Odem hat, lob ihn mit Abrahams Samen.
Er ist dein Licht; Seele, vergiss es ja nicht.
Lobende, schließe mit Amen!

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Musikangaben:

„Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“
(Evang. Gesangbuch Nr. 316/317, kath. Gotteslob Nr. 392)
Text: Joachim Neander (1680), Melodie Halle 1741 nach Stralsund 1665

Musik 1+3+5: Improvisationen von Jörg Josef Schwab, Cembalo, über das Lied „Lobe den Herren“ auf der Begleit-CD zum Buch Meinrad Walter: „Geh aus, mein Herz. Lieder der Schöpfung“.

Musik 2: „Lobe den Herren“ (Strophe 1) aus der CD „Aus meines Herzens Grunde“ mit Andreas Weller (Tenor) und Kay Johannsen (Orgel).

Musik 4: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“. Kantate für zwei- bis vierstimmigen Chor, Bläser und Orgel von Helmut Walcha. Chor der Himmelfahrtskirche, München. Leitung: Heinz Schnauffer.

Musik 6: J. S. Bach: Kantate „Lobe den Herren“ (BWV 137), Schlusschoral. Leitung: Ton Koopman.

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