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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

08JUN2021
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Neulich hatte ich ein Problem. Und ich habe deswegen den ganzen Tag nach Lösungen gesucht. Ich habe gegoogelt. Ich habe mich eingelesen wie andere das Problem angegangen sind, bin aber in meinem speziellen Fall nicht wirklich weitergekommen. Ein paar Tage später saß ich an einer Predigt über die Geschichte von Mose: Mose hütet gerade die Schafe, als er in der Wüste einen brennenden Dornbusch entdeckt. So erzählt es die Bibel. Er will es genauer wissen, kommt näher und hört die Stimme Gottes. Weil Mose ehrfürchtig sein Gesicht bedeckt, kann er Gott nicht sehen. Doch Gott verrät ihm seinen Namen. Der lautet: „Ich werde sein, der ich sein werde.“ Oder anders übersetzt: „Ich bin der, der für dich da ist.“ Die Begegnung endet damit, dass Mose von Gott einen Auftrag bekommt: „Führe mein Volk aus der Sklaverei in die Freiheit.“ Während ich so über die Geschichte nachdenke, kommt mir wieder mein Problem in den Sinn. Und dazu der Gedanke: Hätte Mose damals den ganzen Tag nur vor sich hingestarrt, hätte er den brennenden Dornbusch und damit Gott verpasst. Ja, ich denke tatsächlich: Um Gott zu begegnen, brauche ich den weiten Blick in die Ferne. Den Blick, der nicht schon von etwas gefangen ist, sondern der sich offen und neugierig umsieht. Um von Gott neue Impulse zu empfangen, brauche ich Muße und innere Ruhe. Wenn ich so sehr im Klein-Klein feststecke, dass ich nur noch sehe, was direkt vor meiner Nase ist, dann bin ich nicht mehr offen für die heiligen Momente. Vielleicht will Gott mir etwas sagen, und ich bin zu abgelenkt, um es zu merken? In der weiteren Geschichte von Mose kommt es immer wieder zu solchen Begegnungen. Sie helfen Mose, sich neu zu orientieren. Meist bekommt er Hilfestellungen von Gott, aber auch mal einen Rüffel.

Auch heute lässt Gott sich immer wieder finden. Das passiert überraschend oder auch, wenn Leute bewusst nach ihm suchen. Zum Beispiel bei Exerzitien im Alltag. Dazu treffen sich Leute in einer Stadt. Sie wohnen in einfachen Unterkünften und sind den ganzen Tag in der City unterwegs. Sie stellen sich dabei die Frage: „Wo wartet Gott auf mich?“ Für mich klingt das spannend – auch wenn ich solche Veranstaltungen bis jetzt nur aus Erzählungen kenne. Und einen brennenden Dornbusch, aus dem Gott spricht, habe ich auch noch nicht gesehen. Aber ich habe durchaus schon erlebt, dass Gott mir durch einen Menschen oder in einer Situation begegnet ist und mir weitergeholfen hat. Durch eine gute Idee zum Beispiel, die ich plötzlich beim Joggen hatte – und die mich bei einem Problem weitergebracht hat. Es bleibt spannend, mit Gott unterwegs zu sein.

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