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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

09JUN2021
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Vielleicht kennen Sie ihn: Nero. Er ist ein römischer Kaiser gewesen. Heute ist sein Todestag. Viele glauben, Nero ist verrückt gewesen. Man könnte sagen er ist berühmt – aber das ist er für mich nicht. Nero ist eher berüchtigt. An ihm kann man studieren, wie schnell Minderheiten zu Schuldigen gemacht werden, um innerpolitisch für Entspannung zu sorgen. Zu seiner Amtszeit hat es einen großen Brand in Rom gegeben. Viel ist zerstört worden und viele Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Nach dem Brand war Nero kräftig unter Druck. Die Gerüchte, er hätte Rom in Brand gesteckt, um Platz für seine Pläne eines neue Roms zu machen, hielten sich hartnäckig. Er wollte die Gerüchte zum Schweigen bringen und hat deshalb die Schuld auf die Christen geschoben. Die waren in Rom im ersten Jahrhundert noch eine kleine Minderheit. Es kam daraufhin zu einer Christenverfolgung. Unzählige Christen und Christinnen wurden hingerichtet.

Ich finde deshalb: Nero ist bestenfalls berüchtigt und nicht berühmt. „Berühmt“ ist abgeleitet vom Wort „Ruhm“ und ich finde Menschen wie Nero gebührt kein Ruhm.

Für mich bleibt er vor allem eine Mahnung, wachsam zu sein. Immer dann, wenn Menschengruppen, vor allem Minderheiten pauschal mit Urteilen belegt werden oder als Ursache eines gesellschaftlichen Problems herhalten müssen. Wenn allzu schnell „Sündenböcke“ gefunden sind – häufig mit schrecklichen Folgen, für diese Menschen.

Damals war es der große Brand. Heute sind es die Arbeitslosigkeit, die schlechten wirtschaftlichen Daten oder gar Corona. Überall auf der Welt handeln Menschen noch immer so wie Nero. Ich glaube es ist unsere Aufgabe uns dieser Logik entgegenzustellen wo immer sie uns begegnet. Was uns dabei als Kompass dienen kann ist die Goldene Regel, die es so oder so ähnlich in allen großen Religionen und als Sprichwort gibt: Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest.

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