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SWR2 Lied zum Sonntag

21MRZ2021
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„Kannst du noch dableiben?“ Als meine Kinder kleiner waren, konnten sie oft abends nicht gut einschlafen. Das dunkle Zimmer war ihnen unheimlich. Und sie wollten, dass jemand bei ihnen bleibt, möglichst nah. So dass sie spüren konnten: Ich bin nicht allein.

Bleibt hier und wacht mit mir! Auch Jesus wollte nicht allein sein, in der Nacht kurz vor seiner Verhaftung. So erzählen es die Evangelien in der Bibel. Er hatte Angst vor dem qualvollen Tod, der ihn erwartete. Er hat am Stadtrand von Jerusalem, im Garten Gethsemane gebetet – und er hat die Jünger, die ihm an nächsten standen, gebeten, bei ihm zu bleiben: Bleibt hier und wacht mit mir! In der Gemeinschaft von Taizé sind diese Worte vertont worden:

Musik

Die Szene im Garten Gethsemane ist für mich sehr eindrücklich: Die Freunde, zu denen Jesus Vertrauen hatte, die ihm beistehen sollten – und die dann doch immer wieder einschlafen. Und Jesus selbst, der sich verlassen fühlt. Der Gott bittet, ihn zu verschonen, den Kelch an ihm vorbeigehen zu lassen. Der traurig und verzweifelt ist.

Musik

Jesus ist ein Mensch, das wird hier sehr deutlich. Und es geht ihm wie allen Menschen. Wenn das Leben schwer wird, tut es weh, allein zu sein. Wenn wir Schmerzen haben, am Körper oder an der Seele, oder wenn wir Angst bekommen, dann brauchen wir jemanden, der uns beisteht: „Kannst du nicht noch dableiben...?“

Musik

Für mich ist die Geschichte von Jesus in Gethsemane eine Erinnerung, andere nicht im Stich zu lassen, wenn sie mich brauchen. Die Freundin, die spätabends jemanden zum Reden braucht und am Telefon fragt: „Bist du noch wach?“. Oder die ältere pflegebedürftige Frau, die selten Besuch bekommt und deren Blick sagt: „Bleib doch noch.“

Und doch: Niemand kann bei allen sein, die Beistand brauchen. Und ja, immer wieder drückt man sich auch davor. Und selbst wenn man eigentlich bereit ist, gelingt es manchmal nicht gut: Wenn man selbst zu mitgenommen ist, zu sehr mit sich beschäftigt, oder einfach zu erschöpft. So wie die Jünger im Garten Gethsemane. Dreimal hat Jesus sie gebeten, mit ihm zu wachen. Dreimal sind sie eingeschlafen.

Etwas ist aber trotzdem möglich. Wacht – und betet, sagt Jesus. Für andere beten – das geht auch dann, wenn ich nicht dableiben kann, um die Hand zu halten. Auch dann, wenn mir die Worte fehlen für ein Gespräch. Für jemanden beten, das heißt für mich: Innerlich bei ihm, bei ihr bleiben. Und Gott anvertrauen, was mir nicht möglich ist. Mich berührt es auf jeden Fall, wenn jemand zu mir sagt, dass er für mich betet. Es macht mir Mut. Und ich fühle mich dann weniger allein. 

Musik

Bleibt hier und wacht mit mir, wacht und betet. Jesus hat Beistand gebraucht. Und wir brachen das auch. Deshalb: Lassen wir einander nicht allein.

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