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SWR4 Abendgedanken

08MRZ2021
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Grenzenlose Freiheit – die gibt es nicht nur über den Wolken. Sondern auch mittendrin. Heute speichert man seine Computer-Daten ja nicht mehr nur auf der Festplatte, sondern in der Wolke. Englisch:  Cloud. Jedes Mal, wenn jemand vom Speichern in der Cloud spricht muss ich einfach schmunzeln, weil ich das Bild so schön finde. Vor allem, wenn ich es wörtlich nehme: Alle wichtigen Daten sind in der Wolke.

Wolken und Himmel haben für mich mit Gott zu tun. Klar: Der Himmel, in dem Gott wohnt, ist natürlich etwas anderes als der blaue Himmel, wo die Wolken sind. Und trotzdem: wenn ich mir die Wolken am Himmel anschaue, dann fühle ich mich Gott viel näher. „Schaue ich hinauf zum Himmel, staune ich über das Werk deiner Finger“, das ist eine Zeile aus einem alten Gebet in der Bibel. Und genauso geht es mir auch.

Überhaupt ist Gott für mich auch wie so ein Cloudspeicher. Bei ihm ist alles gut aufgehoben. Es ist egal, wo ich bin. Beten kann ich überall. Ich habe überall und zu jeder Zeit eine Verbindung zu ihm. Und kann jederzeit auf ihn zurückgreifen. Mehr noch: Ich weiß, dass bei ihm alles ganz sicher ist. Nicht nur das, was ich ihm erzähle – was mich so den Tag über beschäftigt. Was mich ärgert oder mir auch mal den Schlaf raubt. Sondern auch das, was ich sonst niemandem so gerne erzähle. Meine Gefühle, mein Frust, meine Tränen.

Und es kommt noch was dazu. Als Christ glaube ich, dass mein Leben nicht einfach so aus dem Nichts heraus entstanden ist. Mein Leben ist ein Geschenk von Gott. Alles, was mich ausmacht. Alles, was ich bin, kommt von ihm. Deshalb tut es mir gut, mit ihm in Verbindung zu bleiben. Das gibt mir Halt und Zuversicht. Und am Ende meines Lebens, bin ich auch nicht einfach so weg.

Das nimmt mir ein Stück weit die Angst vor dem Sterben. Und das ist es auch, was mein Leben buchstäblich grenzenlos frei macht. Weil ich mich geborgen fühle.

Ich fühle mich mit allem, was ich empfinde, denke und bin bei Gott aufgehoben. Bei meinem „Vater im Himmel“. Daran erinnere ich mich, wenn mich mein Computer fragt, wo er ein Dokument speichern soll. Dann klicke ich mit einem Schmunzeln an: „In der Wolke“.

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