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SWR3 Gedanken

23FEB2021
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„Wir werden wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen.“ Im April 2020 hat Gesundheitsminister Jens Spahn das gesagt, ziemlich zu Beginn der damals neuen und ungewohnten Corona-Pandemie.

Mir ringt dieser Satz noch heute Respekt ab. Denn sonst verwenden Politikerinnen und Politiker ja oft hohle Phrasen oder stellen sich als unfehlbar dar. „Ich, einen Fehler gemacht? Bewahre, ich doch nicht.“ Dabei ist es doch nur menschlich, Fehler zu machen. Das wissen doch alle. Umso mehr, wenn man mit so etwas wie einer Pandemie mit einem unerforschten Virus umgehen und politische Entscheidungen treffen muss.

Ich will Spahn deswegen beim Wort nehmen. Ich vertraue denen, die für uns all diese schweren Entscheidungen treffen müssen. Tauschen wollte ich nicht mit ihnen. Ich weiß doch selbst, dass man hinterher immer schlauer ist und dass man vielleicht doch lieber einen anderen Weg gewählt hätte. Das hilft mir, falsche Entscheidungen von anderen vergeben zu können. Haben sie doch zu einer Zeit entscheiden müssen, als noch nicht so klar war wie heute, was richtiger gewesen wäre.

Und trotzdem ist Vergebung kein Freifahrtschein. Nach dem Motto: „Macht ja nichts, ich krieg ja hinterher Amnestie.“ Wenn Jesus Menschen ihre falschen Entscheidungen vergeben hat, dann hat er sie auch ermahnt: „Gehe hin und mach es nicht wieder. Versuche, es nächstes Mal besser zu machen.“ Denn das gehört auch dazu: Dass man versucht, aus Fehlern zu lernen. So gut man kann.

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