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SWR3 Gedanken

14JAN2021
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„Nee, an Gott glaube ich nicht.“ Leni, Oberstufenschülerin, schüttelt entschieden den Kopf. „Dass da irgendeiner sein soll, der bestimmt, was passiert, das kann ich mir nicht vorstellen“, erklärt sie.

„Also,“, sage ich, „ich glaube auch nicht, dass Gott alles bestimmt, was passiert. Ich denke, wir haben völlige Freiheit.“

„Nein. Auf keinen Fall.“ Leni ist schon wieder uneins mit mir. „Es gibt das Schicksal. Das Schicksal ist die Macht, die darüber bestimmt, was passiert. Das ist so eine Art Buch, wo alles schon aufgeschrieben ist. Und ich lebe jetzt, was da geschrieben wurde.“

„Das finde ich eine schreckliche Vorstellung, Leni“, antworte ich. „Da haben Sie du doch Ihre Vorstellung von einem Bestimmer-Gott nur durch ein anderes Wort ersetzt!“

„Aber es ist wenigstens keine Person verantwortlich. Das Schicksal ist unpersönlich“, antwortet sie. Lasse mischt sich ein: „Aber wenn ich einen Menschen umfahre, ist doch nicht das Schicksal verantwortlich, sondern ich!“
„Ja, das finde ich auch, Lasse“, sage ich. „Wir sind verantwortlich für das, was wir tun.“

 „Aber was bringt es Ihnen dann, dass Sie an Gott glauben?“, fragt Leni.
„Dass ich um Vergebung bitten kann. Und dann hoffentlich erfahre, dass ich als Mensch mehr bin als meine Schuld.
„Hm“, macht Leni, „aber das macht den Menschen, der umgefahren ist,
auch nicht wieder heil.“
„Stimmt. Aber es hilft mir hoffentlich dabei, verantwortlich weiter zu leben.
Als Mensch unter Menschen.“
„Und Gott?“, fragt Leni. Lasse dreht sich zu ihr um: „Gott macht es wie Jesus: liebt mit, leidet mit, stirbt mit und ermöglicht dadurch Neuanfänge.“ Leni ist skeptisch: „Dann wäre ja alles möglich, dann wären alle völlig frei!“ „Ja“, sage ich, „genau, dann wären wir frei!“

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