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SWR4 Abendgedanken

01JUL2020
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„Sei behütet und bleib gesund.“ Ich glaube, ich habe das noch nie so oft gehört, gelesen, oder jemandem geschrieben, wie dieses Jahr. Klar, dieser Virus hat uns irgendwie schon ganz schön aus der Bahn geworfen. Da ist es naheliegend, dass man sich gegenseitig wünscht gesund zu bleiben. Mit dem ‚sei behütet‘ kommt aber noch was dazu. Das Wort Hut kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet so viel wie Bewachung oder Fürsorge. Behüten meint also, dass noch jemand auf einen aufpasst. Kinder, die behütet aufwachsen, denen fehlt es an nichts.

„Sei behütet“. Für mich heißt das: Ich wünsche mir, dass Gott auf Dich aufpasst. Gott segne Dich. Früher hätte man vielleicht gesagt: „Gott befohlen“ oder „Adieu“. „Adieu“ heißt nichts anderes als „Gott befohlen“!

Wenn ich das wünsche, dann sage ich: Ich weiß, dass ich nicht alles selber in der Hand habe. Ich kann vieles in meinem Leben bestimmen und lenken. Aber gerade in den letzten Wochen und Monaten habe ich wie viele andere gemerkt: Eben doch nicht alles. Deshalb vertraue ich darauf, dass Gott mich auch in dieser Situation nicht allein lässt. Und genau das wünsche ich auch anderen.

Dieses Vertrauen auf Gott, wird schon in vielen Gebeten in der Bibel ausgedrückt: „Gott ist mein Fels, meine Burg, mein Retter. Mein Gott ist die Festung, die mich schützt …“. Ja, ich weiß. Das klingt so ein bisschen nach dem Motto: Du musst nur genug glauben, dann passiert Dir nichts. Bleib nur unter der göttlichen ‚Käseglocke‘ und Du bist gut geschützt vor der bösen Welt.

Aber das ist damit nicht gemeint. Gott ist kein Schutzschild, der einen vor allem schützt. Er macht mich nicht immun gegen alle Krankheiten. Auch Christen werden krank und auch Christen sterben. Für mich ist das viel mehr der Wunsch, nie wirklich allein zu sein. Nie mit allem allein fertig werden zu müssen. Das ist wie ein guter Freund oder eine gute Freundin, die mit dabei sind. Das gibt mir Sicherheit und kann dann wie ein Fels oder wie eine Burg sein. So behütet mich Gott.

Deshalb freue ich mich auch, wenn das jemand zu mir sagt. Weil ich dann weiß. Ja, Gott ist bei mir. Und es gibt jemand, der mir das wünscht. Der meint es gut mit mir.
In diesem Sinne: Seien Sie behütet.

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