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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

19JUN2020
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Bei dem Wort Palliativstation denken viele: da geht man hin zum Sterben. Das stimmt aber so nicht immer. Einige kommen rein ins Krankenhaus mit starken Schmerzen, oft unbeweglich, abgemagert, weil sie nichts essen konnten. Gehen gestärkt durch gute Medikamente, Physiotherapie und leckeres Essen. Zurück nach Hause. Das freut alle im Team.                                                                                                              

Traurig ist natürlich, wenn es Menschen so schlecht geht, dass sie nicht mehr nach Hause können. Ihnen steht ein anderer „Heimweg“ bevor.  In den Todesanzeigen wird das oft so ausgedrückt: danke für die Anteilnahme beim Heimgang unseres lieben Verstorbenen.                   Wer so die Todesanzeige formuliert, der glaubt daran, dass wir Menschen nicht im Tod bleiben. Ich glaube das auch. Ich glaube, dass Gott uns auferweckt, so wie er es bei Jesus getan hat. Und dass wir in Gottes Reich leben werden.                                                                                                               Nur: wenn ich mit Patient*innen darüber spreche und sie frage, wie sie sich das vorstellen, dann antworten sie mir oft: naja  – man weiß halt nicht, wie es da ist. Es ist noch niemand zurück gekommen. Doch, einer ist zurück gekommen, so glauben wir: Jesus.                                            Er hat ja nach seiner Auferweckung noch viele getroffen, so lesen wir in der  Bibel: Maria von Magdala und Petrus zum Beispiel, die Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Den ungläubigen Thomas, der seine Finger in die Wunden legen wollte, damit er sich überzeugen konnte, dass er wirklich Jesus vor sich hatte.   Denen hat er anscheinend nichts Konkretes erzählt, wie es „da“ ist.                                                                                                        

Und dass seine Freundinnen und Freunde ihn schon drei Tage nach der Kreuzigung nicht mehr erkannten, wie wir in den Ostererzählungen lesen, ist auch seltsam. Offenbar ist der Auferstandene ein ganz anderer als der, der er vorher war. Rätselhaft, fremd, bleibt im Abstand. So jemand erzählt nicht, wie es „da“ ist. Aber er lässt es ahnen. Er bricht Brot. Er brät Fisch. Er erklärt den Menschen die Heiligen Schriften. Er nennt sie beim Namen. Wenn er selbst auch fremd erscheint: seine Freunde sind ihm vertraut.

Ich schließe aus diesem Verhalten, dass es „da“ gut sein wird. Es gibt genug zu essen und zu trinken. Ich werde vieles verstehen, was ich jetzt nicht verstehe. Und ER kennt mich noch. Diese Hoffnung teile ich mit meinen Patient*innen.

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