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SWR2 Wort zum Tag

22FEB2020
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Manchmal ist es einfach notwendig, dass wir miteinander streiten; also friedlich streiten, meine ich natürlich. Gewaltfrei – einfach nur mit der Kraft und meinetwegen auch mit der Macht der Argumente. Streiten, mit- und gegeneinander disputieren, um die Wahrheit herauszufinden oder die richtige Lösung oder wenigstens die bessere Lösung für ein Problem, solange die beste Lösung noch aussteht.

Nur: wie kommt so ein Streit zu einem sinnvollen Ende, wie vermeiden es die Parteien beziehungsweise die Menschen,  für immer auseinander zu sein, weil es an diesem einen Punkt  mal schwierig war, beieinander zu bleiben?

Sicher – ein erster Hinweis steckt schon in der Frage drin: Es wird hilfreich sein, wenn beide Seiten Mensch und Menschen bleiben  statt als Partei zu erstarren  und in der oder dem anderen auch nur Partei zu sehen – Gegenpartei natürlich.

Ein zweiter Wegweiser könnte es auch sein,  wenn beide Seiten sich ein wenig zurücknehmen könnten.  Wenn sie einfach nur die bessere Lösung suchen, die richtigere Antwort, das, was für den Moment jedenfalls angemessener ist; statt immer gleich nach dem Maximum greifen zu wollen: nach der allerrichtigsten Antwort, nach dem allerbesten Weg, nach der für immer gültigen Regelung. Das macht es, glaube ich, einfacher; und lässt es besser zu, dass die Streitenden sich auf so etwas einlassen wie einen Kompromiss, eine pragmatische Antwort.  Auch, weil sie dann erst mal weitermachen können –  meinetwegen auch nur unter Vorbehalt,  bis sich vielleicht noch etwas besseres findet. Vielleicht sagt das Sprichwort ja deswegen ganz bescheiden:  Das Bessereist der Feind des Guten. (Nicht etwa das Beste!)

Und, klar, oft genug wird auch mal der eine oder die andere nachgeben müssen. Einsehen, dass er falsch gelegen hat, dass es neue Gesichtspunkte gibt –  oder dass einfach keine Zeit bleibt für lange Debatten.

Jesus erzählt einmal von einem ungerechten Richter: Widerrechtlich weigert der sich, einer Frau ihr gutes Recht zuzusprechen. Erst als sie ihm sozusagen die Bude einrennt, gibt er endlich nach – „weil sie mich nicht in Ruhe lässt,  will ich ihr Recht verschaffen.  Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mir ins Gesicht.“

Du hast Recht – und ich hab meine Ruhe:  Konstruktiv geht sicher anders. Aber bevor ein Streit so sehr eskaliert, dass am Ende gar nichts mehr geht, ist das möglicherweise eine Zwischenlösung.

Schließlich könnte es sein, dass die oder der andere einfach Recht hat!

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