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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Eine meiner Schwägerinnen ist Anwältin des Kindes. Sie vertritt in besonders schwierigen Scheidungsfällen die Interessen der Kinder. Was ihr wirklich zusetzt bei ihrer Arbeit, das ist der Teufelskreis, in dem die Eltern stecken:
Jeder gibt dem anderen die Schuld. Und kaum einer ist in der Lage, auch nur irgendwo mal den eigenen Anteil an der ganzen Situation zu erkennen.

Wie schwer wir uns das Leben damit gegenseitig machen, davon weiß schon die Bibel ein Lied zu singen. Gleich zu Beginn erzählt sie eine solche Geschichte von Mann und Frau:
Da leben Adam und Eva im Paradiesgarten und alles ist in bester Ordnung, bis sie einen folgenschweren Fehler machen:
Sie essen vom verbotenen Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.

Natürlich bemerkt Gott das Vergehen gleich. Und er stellt die Menschen zur Rede.
„Ich kann nichts dafür“, sagt der Mann: „Die Frau, die du mir gegeben hast, die gab mir von dem Baum.“
Und die Frau zeigt auf die Schlange: „Die war`s. Die hat mich reingelegt.“
Keiner übernimmt die Verantwortung für sein Tun. Einer schiebt die Schuld auf den anderen.

Dieser Teufelskreis scheint etwas zutiefst Menschliches zu sein. Und er macht alle unglücklich, die sich davon mitreißen lassen. Denn keiner kommt auch nur ein winziges Stückchen weiter, wenn er sich immer nur im Kreise dreht und auf den anderen zeigt.

Wie kommt man da nur wieder raus?
In der biblischen Geschichte übergibt Gott den Menschen an dieser Stelle die Verantwortung für ihr Leben: er wirft sie aus dem Paradies. Jetzt haben sie es selber in der Hand. Sie verlieren zwar das Paradies, aber sie gewinnen ein Leben, in dem sie unterscheiden können zwischen Gutem und Bösem.

Und das können wir auch.
Jeder von uns kann den Teufelskreis durchbrechen:
Was ist mein Anteil an der Geschichte? - Das ist die Frage.
Vielleicht habe ich ja nur einen Zustand viel zu lange ertragen. Aber auch dafür bin ich verantwortlich und niemand sonst.
Und: Es kommt auf mich an. Nur ich ganz allein kann etwas ändern an der Situation, denn über den anderen habe ich keine Macht.
Gott traut mir das zu. Und das ist eine riesige Befreiung.
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