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SWR2 Wort zum Tag

Es muss eine bestimmte Absicht dahinter stecken,  dass die Kirche in ihrem Heiligen-Kalender  ausgerechnet diese zwei als „Säulen der Kirche“ an einem Tag  zusammen verehrt, nämlich heute – Peter und Paul :

Petrus, der Fischer vom See Genezaret in Galiläa, ein ziemlich einfacher Mann; der hat auch eher einfach gedacht, so mehr vom Bauch her und mit dem Herzen.  Aber er ist von Anfang an mit Jesus mitgegangen. Er ist ein Freund, der seinen Freund schließlich verleugnet  und behauptet hat: Jesus – kenne ich nicht. Und den Jesus trotzdem beauftragt: Weide meine Schafe.

Und Paulus – der eher Intellektuelle aus Tarsus in der heutigen Türkei, früher hat er mal Saulus geheißen.  Hat sich zunächst hervorgetan als eifriger Christen-Hasser.  Dann hat ihn eine Vision zu Jesus bekehrt; da hat er sich dann Paulus genannt – das bedeutet: der Kleine. Aber immer noch hat er quer zum System gestanden. Dem Anführer Petrus hat er öffentlich widersprochen,  als es darum ging, ob man erst Jude werden soll,  wenn man Christ werden will und um die Taufe bittet. Damit wäre die Christengemeinde eine unbedeutende kleine Sekte geblieben.

Paulus hat sie nach außen geöffnet –  für die damals so genannten Heidinnen und Heiden auf ihrer Suche nach Gott. Aber auch innerlich waren da noch viele Grenzen zu überwinden –  auch die Christengemeinden machten nämlich gern weiter,  wie es in ihrer Umgebung üblich war: Herren blieben Herren  und Sklaven eben Knechte. Frauen hatten sich unterzuordnen,  Römer waren wichtiger als Griechen und immer so weiter. Paulus hat sich engagiert, dass das aufhört: Ihr seid alle Schwestern und Brüder.  Lebt also auch als Geschwister, auf Augenhöhe. Daran müsste sich die Christenheit gelegentlich stärker wieder erinnern und moderner werden – zum Beispiel Frauen und Männer  endlich wirklich gleichberechtigt an allem beteiligen.

Paulus hat bei allem Widerspruch immer die Führungsrolle des Petrus anerkannt: Er ist der Erste der Oster-Zeugen. Ich bin nur der Kleine. Einerseits. Aber es gehört eben immer alles zusammen – das Große und das Kleine, das Glaubens-Gefühl und der vernünftige Glaube.  Nur alle zusammen machen die Christenheit farbig und spannend. Und so ist es gut und richtig und ein bisschen eine Provokation, diese beiden Heiligen heute gemeinsam zu feiern. 

Glückwunsch allen Peters und Pauls  und den Paulas und Petras – zum Namenstag.

 

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