Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR4 Abendgedanken

Mit Schuld umzugehen, das ist schwer. Und wenn man in der Öffentlichkeit steht, ist das noch viel schwieriger. Vor einiger Zeit ist ein Kommunalpolitiker von seinem Amt zurückgetreten. Wochenlang vorher hat sich das angebahnt. Immer wieder gab es Berichte über ihn; und man konnte Leserbriefe und Pressemitteilungen darüber lesen. Stets gab es dazu Kommentare, Vorwürfe und Häme. Ich habe mich oft gefragt: Wie hält er das aus? Diese Anfeindungen, diese Wut? Verletzende Worte, zynische Sprüche, immer neue Anschuldigungen.

Was ich mir gewünscht hätte: Dass er sagt: Leute, ich habe Fehler gemacht. Und ich sehe nicht, dass ich das wieder hinkriege. Ich bitte um Entschuldigung die, denen ich geschadet habe. Ich bedaure, was passiert ist. Und ich hoffe auf Vergebung. Vielleicht gibt es die Chance, dass ich einiges wieder gutmache. Es tut mir Leid, wie es gekommen ist. Aber ich übernehme die Verantwortung und ziehe jetzt die Konsequenzen. Deshalb trete ich zurück.

Leider war kaum einer dieser Sätze zu lesen oder zu hören. Im Gegenteil: Schuld hatten anscheinend immer nur die anderen. Auf jeden Angriff folgte ein Gegenangriff. Und die noch zu ihm gehalten haben, die bekamen auch ihr Fett weg. Ich glaube, viele hätten den Mann unterstützt bei seinem Versuch, angemessen mit seiner Schuld umzugehen. Aber ich weiß, dass ihm seine Rechtsanwälte davon abgeraten haben, öffentlich irgendetwas zuzugeben.

Mit Schuld umzugehen ist nicht einfach.Ein altes Gebet in der Bibel, ein Psalm, handelt davon.
 „Ich habe dir, Gott, meine Schuld eingestanden.“ sagt der Beter und fährt fort: „Nichts habe ich zurückgehalten. Alle meine Fehler habe ich vor dir eingestanden.“ (nach Ps 32,5)

Dieser Mensch, hatte die Erfahrung gemacht: „Als ich es verschweigen wollte, konnte ich nicht aushalten, was passiert ist“ Aber dann gibt er seine Schuld zu und erlebt, dass Gott ihm vergibt und ihm einen Weg zeigt, wie es gut weitergehen kann.
Ich finde: Dieses Gebet macht denen Mut, die zu ihrer eigenen Schuld stehen wollen. Und wir alle könnten es ihnen leichter machen, wenn wir weniger vernichtend mit Schuldigen umgehen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28192