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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Gute Nachbarn sind viel wert. Ich bin froh, dass ich rundherum gute Nachbarn habe. Dazu gehört auch einer auf der Straßenseite gegenüber: Ein griechisches Restaurant. Ich kenne die ganze Familie des Inhabers – und alle, die dort arbeiten. Das hat sich so ergeben, und das ist schön so. Das Personal, fast alles Griechen, nennt mich „Pater Christophoros“; das spiegelt wider, dass ich so etwas wie ihr Seelsorger bin. Sie sprechen mich an, wenn sie irgendeine Hilfe nötig haben. Mit einem Kellner war ich in der Schule, als er dort seinen Sohn anmelden wollte. Jetzt kümmere ich mich darum, dass eine ehemalige Küchenhilfe einen Deutsch- und Integrationskurs machen kann.

Dabei bekomme ich mit, wie schwer es Ausländer in Deutschland manchmal haben, nicht nur mit Behörden und Anträgen. Wer nicht oder nur schlecht Deutsch spricht, der ist bei Vielem hilflos. Und manchmal hat das gravierende Auswirkungen auf die ganze betroffene Familie.

Dazu kommen bei Griechen noch die Sorgen um die Angehörigen zuhause in Griechenland. Die Not in der Heimat ist groß. Wir sprechen öfter darüber.

Für mich sind das nicht nur schöne menschliche Begegnungen, bei denen ich auch wohltuende Gastfreundschaft erlebe. Ich freue mich, dass diese Nachbarn sich mir mit ihren Sorgen anvertrauen – und dass ich mitbekomme, wie es ihnen geht. Wie schwer sie es in vieler Hinsicht haben. Manchmal frage ich mich: Wie würde es mir an ihrer Stelle gehen?

Diese Nachbarschaft ist für mich eine gute Schule. Sie lehrt mich, meine Umgebung und unsere Gesellschaft noch besser mit den Augen der anderen sehen zu lernen. Darauf kommt es an, wenn unser Zusammenleben funktionieren soll. „Integration“ ist ein großes Wort. Sie beginnt aber damit, dass ausländische Mitbürger für mich keine „unbekannten Fremden“ mehr sind, sondern dass ich mich in sie hineinversetze und dass mein Verständnis für sie wächst. Und dass ich ihnen entsprechend begegne. Das erlebe ich auch für mich selbst als sehr bereichernd.

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