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SWR3 Gedanken

Ein Mann kommt mit ausgebreiteten Armen auf eine Frau zu. Die Frau steht in der Fußgängerzone. Die beiden umarmen sich. Ohne etwas zu sagen geht der Mann danach weiter. Auf seinem Gesicht: ein breites Lächeln. Die beiden kennen sich nicht. Sie haben sich noch nie zuvor gesehen.

Viele Leute laufen einfach an der Frau vorbei.  Sie schauen skeptisch, schwimmen mit dem Strom. Aber nicht alle. Denn es dauert nicht lange, dann kommt eine junge Frau, die die Dame umarmt. „Danke, dass es euch gibt!“, sagt sie.

Hinter der Frau in der Fußgängerzone stehen zwei Männer. Sie halten ein Schild hoch: Free Hugs – steht da drauf- „Gratis-Umarmung“. Erst jetzt wird mir bewusst, was die drei da machen: Sie schenken den Leuten, die vorbeikommen und es wollen eine Umarmung. Großartig. Und plötzlich fällt mir auf, dass die drei ein wenig mehr Freude in die Fußgängerzone bringen.

Das sehe ich vor allem in den Gesichtern der Leute, die umarmt worden sind. Sie werden nämlich weder gefragt: Wer bist du? Noch: was hast du heute schon alles geleistet? Darum geht es nicht. Die Umarmung ist bedingungslos und ohne Hintergedanken.

Wie gut, dass es die „Hugger“ gibt, also die Leute, die andere einfach so umarmen. Dadurch zaubern sie den Leuten nämlich nicht nur ein Lächeln ins Gesicht. Sie drücken damit auch aus: Du bist wertvoll. Du bist gut, wie du bist. Du bist geliebt.

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