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SWR3 Gedanken

Es ist eine kleine Schrecksekunde. Wir warten auf eine Bekannte aus Afrika. Doch die Passkontrolle am Flughafen verzögert sich. Ob Sie ein Einladungsschreiben aus Deutschland vorweisen könne, fragt sie der Beamte. Natürlich hat sie dieses Schreiben von uns bekommen, doch sie findet es nicht in ihrer Handtasche. Nach gefühlt endlosem Suchen kramt sie es doch hervor. Jetzt endlich darf sie rein, nach Deutschland. 

Ohne eine Einladung hätte unsere afrikanische Bekannte überhaupt kein Visum bekommen. Wir mussten erklären, dass wir für ihren Aufenthalt aufkommen. Das ist gängige Praxis in Europa. Aus Sicht der europäischen Staaten macht sie auch Sinn. Schließlich möchte man keine Besucher hier haben, die sich Europa am Ende nicht leisten können. Dennoch hinterlässt der kleine Zwischenfall bei mir einen seltsamen Beigeschmack. Als Deutscher darf ich ohne Visum und Einladung in 157 Länder dieser Erde reisen. Einfach so, wenn ich Zeit und Lust dazu habe. Für einen Menschen, der aus einem afrikanischen Staat wie dem Kongo kommt, bleiben die meisten Grenzen jedoch erstmal zu. Ohne ausdrückliche persönliche Einladung geht gar nichts. Wie gesagt, all das ist verständlich und nachvollziehbar. Und doch, überall willkommen bin ich in dieser Welt eben nur, wenn ich wohlhabend bin. Das jedenfalls macht mir die kleine Schrecksekunde am Flughafen wieder unmissverständlich deutlich.

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