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SWR3 Worte

Gedanken am frühen Morgen von der Schriftstellerin Waltraud Thomas.

Was ist heute für ein Tag? Was erlebe ich heute? Was passiert mir? Werde ich es ertragen können?

Ich wische an der Fensterscheibe (…) und sehe alles nur grau in grau. Was mache ich damit? Muss ich jetzt auch graue Miene zum grauen Spiel machen?

Ich nehme Haltung an und setze mich schon mal grade auf die Bettkante und lümmle nicht so herum. Ich wische meine Augen blank und fange an, Farben zu sammeln. Ein herrliches Bild erscheint vor mir. Fantastisch! Die grauen Wolken bilden einen dicken Ballon und schweben nach oben in blaue Lüfte. Die Regentropfen hüpfen in bereit stehende Tonkrüge und marschieren in Gruppen zum Bach hinter unserm Haus (…) ich will unbedingt den Tag retten. Ich pflücke viele Farben und binde sie zu einem wunderbaren Strauß zusammen. Alle Farben passen zueinander; man braucht sie nicht zu ordnen.

Ich bin doch ein bisschen bescheuert, denke ich. Das frische Wasser im Bad schafft es, dass ich ernsthaft über diesen Mittwoch – oder ist es Freitag – nachdenke. (…)

Und plötzlich (…) fühle (ich) mich geliebt und angenommen, denn ein wunderbarer Kaffeeduft streicht um meine Nase. Ich freue mich auf mein Frühstück und akzeptiere die Überraschungen, die Gott an diesem denkwürdigen Tag für mich bereithält.

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