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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Schon wieder! Manchmal fällt mir alles runter. Jedenfalls kommt es mir so vor. Gerade Montagmorgens. Schnell noch den Tisch decken, und zack, schon wieder fliegt etwas auf den Boden. Vor kurzem war es ein wunderschöner Deckel von einer Keramikbutterdose. Die Dose hatte die Form einer Maus - und jetzt hat die Maus keinen Kopf mehr. Was hab ich mich geärgert! Dabei behaupten manche ja: Scherben bringen Glück. Bei Polterabenden muss es deshalb viele Scherben geben, bei jüdischen Hochzeiten gibt es um Teil die Sitte, ein Glas zu zertreten.
Und wie glücklich sind Archäologen, wenn sie eine Scherbe finden. Aber das hat mir nicht viel geholfen, als ich die Scherben meiner schönen Butterdose aufgelesen habe. Für mich war das eher ein Unglück.
Und doch gehört es zum Leben, dass Dinge zerbrechen. Dass Pläne nicht aufgehen. Dass Gesundheit zerbricht.
Menschengeschichten erinnern oft an Scherben und Trümmer. Wie viel geht im Leben kaputt! Manche Beziehung endet in einem einzigen Scherbenhaufen. Man kann manches kitten, aber es gibt Brüche, die werden nie ganz heil. Von der Dichterin Mascha Kaléko stammt der Satz: „Ich habe die Scherben wieder aufgelesen. Aber alle Scherben zusammen machen noch immer kein Glas.“ Das stimmt sicher.
Aber neulich hat mir eine Patientin auch etwas anderes erzählt: „Wenn ich an früher denke, was war mir da alles wichtig! Was wollte ich alles schaffen! Jetzt, da ich krank bin, sage ich mir: Du musst lernen, mit dem zu leben, was ist. Was mir dabei hilft, ist der Gedanke: Ich hatte ja auch sonst nie mein Leben ganz in der Hand, ich habe nur geglaubt, es wäre so. Ich hätte auch damals jederzeit krank werden können wie jetzt. Und wenn es mir nicht gut ging, hab ich immer schon Hilfe gebraucht – und jetzt halt ganz besonders, die Hilfe von Gott. Weil mein Leben nie mehr so heil werden wird wie es mal war. Aber mit Gottes Hilfe gebe ich nicht auf. Er wird mich auch jetzt nicht allein lassen!“  -- Ihre Worte klingen mir noch heute im Ohr. Und immer, wenn etwas nicht mehr zu reparieren ist, muss ich daran denken. Auch die Risse und Sprünge gehören zu meinem Leben und machen es zu dem, was es ist. Ein Leben, das trotzdem gut werden kann - Gott sei Dank! 

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