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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Ich hatte über zwei Wundergeschichten aus der Bibel gesprochen. In denen Menschen das Wasser buchstäblich bis zum Hals steht. In der einen sind Jesus und seine Jünger auf dem See. Da zieht ein Sturm auf. „Kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?“ (Mk4,38) schreien sie in höchster Not Jesus an. Der schläft, obwohl das Boot bereits voll läuft.
In der anderen Geschichte schreit Petrus: „Herr, rette mich“. Mutig war er aus dem Boot gestiegen, wollte auf dem Wasser gehen, etwas völlig Neues, Ungewohntes tun. Da überfallen ihn nagende Zweifel. Prompt geht er unter.
„Herr, rette mich.“ Zumindest in diesen Geschichten wird der Notruf erhört. Jesus beruhigt den See, zieht den Petrus wieder hoch.
Ein paar Tage später bekomme ich einem Brief:
„Seit 25 Jahren, seit der Geburt unserer Tochter kämpfen wir. Wir tun alles, was wir denken, es könnte ihr helfen….Ich bete auch, aber ich fühle mich verlassen. Wie können wir Gottes Hilfe erfahren? Meine Tochter glaubt, dass sie seit ihrer Geburt schon vergessen, fallen gelassen wurde. Warum geschieht bei uns kein Wunder?“
Ich habe in etwa so geantwortet: Warum Gott die Krankheit ihrer Tochter zugelassen hat, weiß ich nicht. Ich kann es auch nicht erklären. Ich möchte Sie aber bitten, nicht mit dem Beten aufzuhören. Klagen Sie Gott ruhig an, werfen Sie ihm ihre Ohnmacht und ihre Verzweiflung an den Kopf, wenn Sie nicht mehr anders können und sprechen Sie genauso ein Dankgebet in den schönen Augenblicken. Das kann Ihnen helfen, kann vielleicht etwas mehr Kraft geben für das, was getan werden muss. Was ich Ihnen verspreche ist, dass ich an Sie und ihre Familie denke, dass ich mit bete. Denn wenn schon der Himmel für Sie stumm bleibt, dann soll es hier nicht so sein.
Ob es geholfen hat?
Ich weiß es nicht.
Auf jeden Fall habe ich es getan, ich habe gebetet und vielleicht schließen sie sich ja an, mit einem Gebet für all die, denen das Wasser bis zum Hals steht.

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