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SWR2 Wort zum Tag

„It’s not only a job, it’s a mission.” „Es ist nicht einfach ein Job, was wir hier machen, es ist eine Sendung, eine Mission.“ Das sagt Wael Suleiman, der Direktor der Caritas in Jordanien. Gemeinsam mit dem Rottenburger Bischof Gebhard Fürst und einer kleinen Reisegruppe habe ich vor kurzem das kleine Königreich besucht. Mit seinen sechseinhalb Millionen Einwohnern hat es derzeit etwa 1,5 Millionen Flüchtlinge aus den Nachbarländern Syrien und Irak aufgenommen. Sie sind vor den Bomben des syrischen Diktators Assad geflohen und vor dem Terror des so genannten Islamischen Staats. Sie haben Angehörige und Freunde verloren, ihre Heimat, alles, was sie besessen haben. Viele haben auch alle Hoffnung verloren.

In dem kleinen Hof und den Räumen des Caritaszentrums in Madaba nahe der jordanischen Hauptstadt Amman drängen sich hunderte Menschen – Männer und Frauen, Kinder und Alte. Sie warten darauf, an einem der vier oder fünf Schreibtische von den Caritas-Mitarbeitern registriert zu werden; danach gefragt zu werden, was sie für sich und ihre Familien an Lebensmitteln und an Kleidern benötigen. Ob sie ein Dach über dem Kopf haben. Ob sie krank sind und von den Ärzten im Haus behandelt werden müssen. Auch Therapie bietet die Caritas den teilweise schwer traumatisierten Menschen an. Und in den Trainingskursen ihres Mutter-Kind-Programms können nicht nur die Frauen für ein paar Stunden am Tag die Sorgen und den Stress ums tägliche Überleben vergessen; auch den Kindern tut das selbstvergessene Spielen und das Lernen in ihren kleinen Seelen gut.

Die Caritas Jordanien sorgt mit fast 400 Angestellten und etwa 2000 Ehrenamtlichen vor allem für die Vertriebenen, die außerhalb der offiziellen Flüchtlingslager irgendwo leben – in notdürftigen Verschlägen, in Garagen, in Zelten. Sie erhalten sonst keinerlei Unterstützung. Allein im vergangenen Jahr hat die Caritas etwa eine halbe Million dieser entwurzelten Menschen registriert und versorgt. Die allermeisten von ihnen sind  Muslime. Die Christen lieben uns mehr als alle anderen, sagen sie.

Not a job, but a mission. Nicht irgendein Job, sondern eine Sendung, eine Mission. Was bedeutet es, wenn Christen ihre Mission ernst nehmen? Wir haben es in Jordanien eindrucksvoll erlebt: Menschen in großer Not erfahren, dass sie vorbehaltlos geliebt werden, dass ihnen geholfen wird  – ungeachtet ihrer Herkunft, ihrer Kultur, ihrer Religion. Einfach deshalb, weil sie Menschen sind.

 

 

 

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