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SWR2 Wort zum Tag

Ein Film nach einer Erzählung von Albert Camus

Zwei Männer, ein gläubiger Muslim und ein Christ, mitten in der Einsamkeit des algerischen Atlasgebirges. Anfang der 1950er Jahre. Der Unabhängigkeitskrieg zwischen Algerien und Frankreich hat gerade begonnen.  Mohamed, ein algerischer Hirte und Daru, ein französischstämmiger Lehrer. Beide versuchen dem Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt zu entkommen.

„Den Menschen so fern“  lautet der Titel des Filmes, der den vermeintlich so aussichtslosen Kampf der beiden eindringlich erzählt; gerade ist er in Deutschland angelaufen.  Der Regisseur David Oelhoffen hat für seinen Film dabei auf eine Erzählung von Albert Camus zurückgegriffen, „Der Gast“ heißt sie auf deutsch.

Mohamed, der algerische Hirte und Bauer, hat seinen Cousin getötet, aus Rache und den Regeln seiner Familie, seines Stammes folgend. Nun soll er selbst Opfer der Blutrache werden. Und seine jüngeren Brüder werden wiederum ihn rächen müssen. Mohamed aber will wenigstens die Brüder vor dieser Tat bewahren. Deshalb begibt er sich in die Hände der französischen Justiz, dort muss er zwar auch mit einem Todesurteil rechnen, aber seine Brüder müssten ihn dann nicht rächen.

Und so kommt Daru ins Spiel, der in Algerien geborene Franzose und frühere Soldat. In einer mitten im Atlasgebirge, völlig einsam gelegenen Baracke unterrichtet er die Kinder der umliegenden Hirtenstämme; offenbar die Aufgabe seines Lebens. Ausgerechnet er soll nun, auf Befehl der französischen Verwaltung, Mohamed in die nächstgelegene Stadt bringen, damit er zum Tode verurteilt wird.

Daru verabscheut Mohameds Tat aus tiefstem Herzen. Er will nichts mit diesem zu tun haben. Rr ermutigt, drängt ihn deshalb zur Flucht. Und doch begibt er sich schließlich mit ihm auf den Weg. Daru tötet sogar einen der Verfolger, um Mohammed zu schützen Er gerät mit ihm in Gefangenschaft, erst in die Gefangenschaft von algerischen Rebellen, dann in die Gefangenschaft der französischen Armee. Auf ihrem Weg werden Daru und Mohamed zu Brüdern im Geiste.

Kurz bevor sie die Stadt erreichen, stellt Daru Mohamed noch einmal vor die Entscheidung, zu fliehen oder sich dem Gericht zu stellen.

Der Film ist verstörend. Er zeigt, wie sehr Menschen verstrickt sind in grausame, tödliche Zusammenhänge. Und doch trägt dieser Film für mich auch eine Botschaft der Hoffnung, so wie die beiden gegen diese Verstrickungen revoltieren, gegeneinander erst, dann miteinander.

Offen bleibt, mit welchem Motiv sie dies tun, ob im Namen der Menschlichkeit oder ob im Namen ihrer Religion, ihres Gottes. Für mich ist dieser Gott ein „Freund des Lebens“.

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