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SWR3 Gedanken

„Gott segne dich und behüte dich!“ Ich geb zu, es klingt ein bisschen verstaubt. Aber wie sollte ich es ihm sonst sagen?
Ich habe einen Freund, der hat mir mal das Leben gerettet. Wie eine Art Feuerwehrmann hat er mich aus einem brennenden Haus rausgeholt. Im Bild gesprochen. Mein Lebenshaus hat lichterloh gebrannt. Und damals ist er jeden Abend in den Keller gegangen, hat uns eine Flasche Wein geholt und hat gesagt: „Komm, erzähl mir, wo brennt es denn?“
Ich weiß nicht, wie viele Flaschen wir damals geleert haben, aber irgendwann war das Feuer gelöscht. Und ich habe wieder Lust gehabt, mein Leben in die Hand zu nehmen. Das hat uns für immer zusammengeschweißt.
Und jetzt ist der Freund alt geworden. Und immer wenn wir uns verabschieden, weiß ich nicht, ob wir uns nochmal sehen. Aber was sag ich dann? „Tschüss und alles Gute.“ Wäre viel zu läppisch. „Pass gut auf dich auf!“ Na klar, kann er das, aufpassen. Aber wer passt auf ihn auf?
Deshalb sag ich gern „Gott behüte dich“. Weil ich will, dass er sich behütet fühlt, geborgen. Dass er abends ins Bett gehen kann ohne Angst. Und am Morgen Lust hat, wieder aufzustehen. Egal wie sein Körper drauf ist. „Gott behüte dich.“ Ich glaube, dass Gott das kann, ihn behüten. So wie er mich behütet hat, damals. In unseren nächtlichen Gesprächen.
Ich finde, es gar nicht so einfach, sich zu verabschieden. Ich meine, dass man weiß, es ist vielleicht für immer. Wenn ich einen Gottesdienst halte, so wie heute, dann sag ich deshalb am Ende nicht nur „Tschüs“. Ich leihe mir Worte aus der Bibel und sage. „Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. .. Gott schenke dir Frieden.“

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