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SWR3 Gedanken

„Vergeben und vergessen“ – eigentlich ein untrennbares Wort-Paar; nur Sepp B. meinte, da eine Ausnahme machen zu können…

Ich vergebe meinen Gegnern in der Fifa und außerhalb;
ich vergebe ihnen – aber ich vergesse nicht.

Josef Blatter wird ja nun bald Geschichte gewesen sein.
Aber dieses Wort des Ex-Fifa-Präsidenten in spe
ist inzwischen ein geflügeltes Wort;
kurz nach der letzten Wahl hatte ein Journalisten-Kollege ihn gefragt,
wie er denn jetzt mit seinen Gegnern umgehen will.
Ich vergebe ihnen – aber ich vergesse nicht.

Ganz in Ordnung, was er da sagt. Weil das ja wirklich so funktioniert,
zwischen Mensch und Mensch und auch beim lieben Gott:
Was jemand mir angetan hat,
das kann ich ihr oder ihm vergeben.
Ich akzeptiere die Bitte um Entschuldigung
und beschließe bei mir selbst und sage das dann auch:
Es soll wieder gut sein mit uns beiden – deine Tat ist dir vergeben;
sie soll nicht mehr zwischen uns stehen.
Und dazu gehört natürlich, dass die Erinnerung tatsächlich bestehen bleibt.
Würde alles vergessen, auch das Böse, das geschehen ist,
dann wäre Vergebung viel schwieriger.
Ich müsste ja Angst haben, dass es noch mal passiert.
Dabei müssten wir doch miteinander für die Zukunft lernen –
und wie sollte jemand lernen, der alles vergisst ...

Also richtig, Herr Blatter: Vergebung ja – Vergessen nein?
Der Schelm hat es ganz anders gemeint – mit erhobenem Zeigefinger.
Ich vergesse nicht: Das war in Wirklichkeit eine Drohung –
ich werde darauf zurückkommen; ihr werdet es noch zu spüren kriegen…

Vergebung, auch Gottes Vergebung, geht anders:
Nachkarten oder Nachtreten ist ausgeschlossen;
die Beziehung ist ganz und gar wieder hergestellt.
Und was wir einander angetan haben:
Daran können wir uns erinnern,
das kann noch lange wehtun –
aber die Brücke der Vergebung: die trägt und hält. 

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