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SWR4 Abendgedanken

Manchmal ist der Himmel ganz nah. Für meine Tochter zum Beispiel, wenn wir Pferdchen spielen. Dann sitzt sie auf meinen Schultern, reckt die Hände hoch und ruft: Papa, meine Hände gehen bis zum Himmel. So einfach ist das für Kinder. Aber ich kenne das auch:  Es gibt Momente in meinem Leben, da habe ich das Gefühl, dass ich dem Himmel ganz nahe bin. Da ist ein Stück Himmel in meinem Alltag zu spüren. Das kann ganz viel sein. Das Lachen meiner Kinder, Das Essen mit meiner Frau. Oder auch einfach das Blühen der Blumen an einem schöner Sonnentag.
Und ich glaube, genau das hat Jesus seinen Freunden immer wieder erklärt: Ihr müsst nicht erst auf den Himmel warten. Das könnt ihr auch jetzt und hier schon haben: Ein Stück Himmel auf Erden.
In einem Lied heißt es: Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen, und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.[1]
Ich glaube, da steckt alles drin, was Jesus gemeint hat. Den Himmel könnten wir jetzt schon hier auf der Erde haben. Wenn – ja, wenn wir uns selbst vergessen. Und unsere ausgetretenen Wege verlassen.
Sich selbst zu vergessen, ist nun nicht so einfach, glaube ich. Aber mich selber nicht so wichtig nehmen. Das könnte schon ein Anfang sein. Ich glaube wirklich, dass es viele Konflikt, nicht gäbe, wenn sich manche Menschen nicht so wichtig nehmen würden. Das fängt im ganz Kleinen an. Neulich habe ich einen Streit auf dem Parkplatz mitbekommen. Es ging um einen Parkplatz, der zehn Meter näher an der Eingangstüre war, als der nächste Freie. Keiner der Streithähne saß im Rollstuhl. Und es wären sicher beide in der Lage gewesen die zehn Meter mehr zu laufen. Aber nein. Sie haben sich gestritten und beschimpft. Wenn da auch nur einer der beiden sich selbst nicht so wichtig genommen hätte, dann hätte es diesen Streit nie gegeben. Und genau das kann man auch aufs Große übertragen. Wenn man sich selber nicht so wichtig nimmt, dann kann man vielleicht den gewohnten Weg mal verlassen und eben einen neuen Weg gehen. Dann berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.


[1] Text: Thomas Laubach, Melodie: Christoph Lehmann.

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